Volltext: Bauplatz und Werkstatt / Monats-Schrift der staatlichen Beratungsstelle für das Baugewerbe (Jg. 1940, Bd. 35, Heft 1/12)

zu sehen ist und in den Wohnungen reicher, snobistischer Städter steht, auch 
hierher? So wurde das Bauernhaus und seine Welt von geschäftstüchtigen 
Unternehmern verfälscht, verniedlicht und zur Mode erniedrigt. Ob Möbel in 
Renaissance, Barock, Chippendale, Biedermeier oder zuletzt die Tiroler Stube 
war dieslen Geschäftemachern gleichgültig, solange Umsatz und Gewinn gelichert 
waren. 
UÜbersehen wir jedoch nicht, daß dieses Zerrbild des Bauerntums eine barallele 
auf dem lande hat. lmmer mehr fand dort jener hochglanzpolierte Stilmisch- 
masch in exotischen Hölzern und schwulstigen fFormen kingang, und nicht selten 
wanderte altes, wertvolles Kulturgut vom Bauern zum Antiquitätenhändler, 
um der Tochter eine städtische Einrichtung nach der neuesten Mode kaufen zu 
können. lbangsam beginnt die Jungbauernschaft einzusehen, wohin es geführt 
hätte, wenn Bauern weiterhin städtische Möbel kaufen würden, die verant— 
wortungslose Geschaftemacher in Massen herstellen. Was sich für den Städter 
eignet, der seine Mietswohnung öfter wechlelt, das schickt sich nieht in gleichem 
Maße für das Bauernhaus, das einem sebhaften Geschlecht dauernde Heimat 
sein soll. Dem Städter sind vielfach die Möbel sein einziges kigentum, das er 
durch die Glastüre abschließt. Vergessen wir nicht, auch der Stadter hat eine 
Kultur, die in Jahrhunderten gewachsen ist und eine besonders geartete Lebens- 
form verkörpert. für ihn ist seine Mietwohnung eine Heimat, die er nach eige— 
nen Gesetzen gestaltet und die nur dann in Ordnung ilt, wenn lie ehrlich die 
lebenshaltung widerlspiegelt, die die Stadt und seine Tätigkeit bedingen. Der 
Berliner fühlt sich in seiner 3Z oder 4-z7immerwohnung bei Muttern genau so 
geborgen, wie der Bauer auf seinem Hof. Dem Bauer ist der Hof mit Ackern, 
Wiesen und W'ald seine Wielt, in der das Haus eine fest umrissene Aufgabe 
hat. Daraus erklärt sich, dab er sein Haus nicht nur bewohnt, sondern bewirt— 
schaftet, was auch weitgehend die fForm des bäuerlichen Hausrats bestimmt. 
Dies ist auch der Grund, warum Bauernmöbel nicht auf ein Sehema zu bringen 
lind und als Massenware hergestellt werden können.
	            		
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