Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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Nun wie verhalten sich die Kleiderstoffe zu diesen disponierenden 
Stinkstoffen? = Die Wolle, besonders die ungefärbte , einfach ableh- 
nend, we8halb ja der Pilz auf ihr nicht keimen kann. Baumwolle 
und Leinen dagegen saugen diese Stinkstoffe begierig auf, weshalb 
diese Textilstoffe sehr zur Vermors<ung, Versporung und Faulung dis- 
poniert find, namentlich wean die nötige Feuchtigkeit dazu kommt. 
Fazit: Von den zwei zur Ansteckung gehörenden Beding- 
ungen konserviert die Wolle den Pilz, die Pflanzenfaser den 
Mist, der zu seinem Wachstum a-hört. Daraus folgt, daß der, 
welcher die landläufige gemis<te Kleidung trägt, am meisten 
Gefahr läuft, angeste>t zu werden, er hat in seiner Kleidung beides 
bei einander. ; Und es fragt sich jezt nur, wer von denen, die unge- 
mischt- Bokleidung tragen, ist besser daran: der Reinwollene oder 
der rein vflanzlich- Bekleidete? Dem, ersteren fehlt, falls er durch 
längeres Bes?' zen des Wollregimes nicht nur von den laufenden 
Dispositionsstoften sich frei gehalten, sondern den Körper auch von alten 
Stofirsten kb: . bat, "die Disposition zur Anste>ung und deshalb 
fann ihm „<aültig sein, ob in der Luft oder dem Wasser oder 
seinem 9X nstec>uns *feime sigen. Für den rein pflanzlich Beklei- 
deten dy “Lorteil, daß: die Anste>ungskeime in seiner Kleidung nicht 
jo leis, “aften, angesichts der Allgegenwart der Ansteckungskeime in 
der Spitallu einmal ein sehr winziger und dann erkauft er selbst 
diesen dadurb daß er eben zur Ansteckung zum mindesten weit mehr 
diSponiert ist als der Reinwollene. 
Sin Kritikus wird nun zunächst überhaupt bezweifeln, daß = 
auch rüiges Verhalten der Kleiderstoffe zugegeben =- die Kleidung 
von st gem Einfluß auf den Körper sei. J< komme hier auf einen 
Punkt, den ich bisher noh nirgends mit der Schärfe und Deutlichkeit 
besprochen, vie er bei seiner Wichtigkeit verdient. 
- > Täuterung will ich mi<ß an einen anderen Gegenstand 
halte“ mlich an das Holz. 
„m neu2?3 Möbel aus frischem rohem d. h. nicht poliertem und 
gest1..“enem Hotz 3. .B. Tannenholz duftet doch ganz anders, als wenn 
das Möbel einmal auch nür ein paar Monate von Menschen gebraucht 
wurd? : anfangs der frische terpentinartige Härzgeruch , später ein 
muffiger, widerwärtiger ähnlich dem des Staubes und alter Bücher 
und Papiere *). Diesen Geruch hat nicht bloß das Möbel Felbst, 
sondern auch die ihn umgebende Atmosphäre, und wenn mehrere solche 
Möbel und auch noch ein roher Holzfußboden vorhanden, so riecht das 
*) Wer das selbst nicht riechen kann, der frage nur einen, der in Holz 
arbeiter; der wird ihm sofort sagen, daß sich's in frishem Holz wegen des ange- 
nehmen Harzgeruchs mit Lust arbeitet, während altes Holzwerk. das bereits in 
Zimmern, Ställen u. s. w. als Geräte oder Baubestandteil in Gebrauch stand, bei 
ver Searhfitihig so häßlich riecht, daß selbst den Stumpfsinnigsien eine jolche Arbeit 
verdrrekt.
	        

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