Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

Beilage zu Prof. yr. G. Jägers Monatsblatf. 
Stuttgart. WB. 6, Juni 1888. 
Riechstoff eigentümlich verändert. Wir hatten troß der Kälte auf der 
ganzen Fahrt ein Fenster im Coups offen gehalten und waren daher für 
Düfte empfindlich. Dieser eigenartige Dust aber, der die Mitte hielt 
zwischen Patschouli und Joey , verfolgte uns auf der ganzen Reise von 
Stettin nach Kreuz über Berlin bis Büchen, hier erst, wo wir wieder auf 
nordalbingishen Boden kamen, war er vershwunden. Wir trafen ihn 
aber nicht nur auf und an der Eisenbahn, sondern auch meilenweit, auf 
dem fla<en Lande der Neumark und bei mehreren Familien, die wir be- 
suchten , überall, und zwar so stark, daß ich in den ersten Nächten troß 
offener Fenster durch diesen Duft lange wach erhalten wurde und ganz 
gegen meine Gewohnheit unruhig schlief, J< verspürte den Dust überall 
an allen Speisen, die mir dadurc<h troß bester Zubereitung nicht wie sonst 
mundeten; nur an Süßwasserfischen gefiel er mir und machte mir diese 
angenehm von Geschma> ; meiner Frau erging es ähnlich. =- J< wurde 
bei dieser Gelegenheit an das Wort Bismar>s erinnert : Wir Germanen 
können uns schleht an die Slaven gewöhnen, sie duften nach Juchten. 
In der That hatte der von mir bemerkte Geruch Aehnlichkeit mit dem 
von Juchtenleder. Jedenfalls sind die jenseit3 der Oder wohnenden deutschen 
Stämme mehr mit den Slaven vermischt als diejenigen diesseits derselben 
Petroleumgeruch. (Aus dem Brief eines Wollenen.) „Ein an- 
derer höchst unangenehmer Duft ist mir derjenige des Petroleums und 
der Kaßen, die für mich fast gleich sind. Es giebt übrigens ein einfaches 
Mittel, ven Duft der Petroleumlampen sehr zu mildern. Man wirft un- 
gefähr */10 des Petroleum3 fein zerschnittenen Kampfer ins Bassin der 
Lampe. E3 will mir auch scheinen; als ob das Licht der Flamme dadurch 
reiner, weißer würde. Man wendet dies Mittel gerne in der Lampe der 
Laterna magica an, um hier den Petroleumduft zu beseitigen. Es dürfte 
dieses Mittel übrigens vielen Jägerianern willkommen und somit zur Ver- 
öffentlihung im Monatsblatte geeignet sein." 
Ungebläuter Zueker. Daß meine Anklage gegen das Bläuen des 
Zuckers anfängt auch anderwärt8 Beachtung zu finden, beweist folgender 
Ausschnitt aus der Magdeburger Zeitung vom 15. Dezember 1887: 
„Eingesandtes, Bei Durchmusterung der bereits im schönsten 
weihnachtlichen Glanz und Shmu> prangenden Schaufenster unserer Stadt 
wird es dem aufmerksamen Beobachter nicht entgehen, daß auch auf dem 
Gebiete unserer Zuerfabrikation zwei „Neuheiten“ zu verzeichnen sind, 
welche geeignet erscheinen, ein allgemeineres Interesse in Anspruch zu 
nehmen. E5 sind dies die von zwei hiesigen Raffinerien neu geschaffenen 
Brotzu>ermarken: „Edelweiß“ und „Alabaster“-Raffinade, 
welche in hübscher Ausstattung den Hausfrauen vor Augen führen , daß 
man das leider noch immer übliche, nur auf den äußeren Sein berechnete 
Färben des Zuckers durh Ultramarinblau aufzugeben gewillt ist, was 
vom Standpunkte des Gesundheitsamtes aus jedenfalls nur zu billigen 
sein dürfte ; außerdem ist exfreuliherweise dadurch der Beweis erbracht, 
daß unsere Großindustriellen auch dieser Branche mit gutem Erfolge sich
	        

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