Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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passiv dabei (ich bin aktiv), also kann der Gedanke nichts geistig Bewe- 
gendes sein. =- Oder noch handgreifliher: J< sehe einen Stein fallen; 
bei diesem Sehen bin ich aktiv, der fallende Stein (das gesehene Objekt) 
passiv ; folglich kann der Stein nichts Bewegendes sein, kann keine Arbeit 
verrihten! -- 
I< will hier nebenbei bemerken, daß Hensel wiederholt mit solcher 
eigentümlihen Sheinlogik wirtschaftet, so an der Stelle (S. 137), 
wo er das Trägheitsgeseß als falsch hinzustellen versucht *). -- 
Es ist wohl selbstverständlich, daß, wenn ich einen Geruch wahr- 
nehme und dabei allerdings mein Empfindungsvermögen in Thätigkeit sich 
befindet, dieser aktive Zustand doch nicht aus dem Nichts aufgetaucht sein 
kann, sondern durch irgend etwas hervorgerufen worden sein muß. 
Mein Empfindung5vermögen ist in Thätigkeit, aber es ist in diese Thä- 
tigkeit durch irgend etwas verseßt worden. Und dieses „Etwas“ muß 
doc<h am Ende auch, wenn es zu wirken vermochte, thätig oder aktiv sein. 
Woher bekomme ich nun den Geruch eines Körper5? Dadurch, daß 
Teilchen desselben an mein Geruchöorgan treten und es erregen. Können 
denn nun nicht auch die Teilhen der meinem Körper angehörenden Ge- 
ruch3- oder Duftstoffe, solange sie in meinem Körper sich aufhalten, irgend 
eine Thätigkeit ausüben? -- - 
ES ist nötig, daß man in Sachen wahrer Naturerkenntnis mit klarem, 
nüchternen Bli und Verstande um sich schaut, statt sich nicht nur selber 
auf den Kopf zu stellen, sondern sogar logische Purzelbäume zu schlagen 
und. hemische Jongleurkünste zu treiben. =- 
Wenn nun aber auch die wissens<haftlihe Grundlage, auf der sich 
die Lehren Hensels erheben, hinfällig und verfehlt ist und die letzteren 
selbst zum größeren Teil verworfen werden müssen, so muß ich doch einige 
seiner Vorschläge als beachtenswert bezeichnen. 
Ganz abgesehen von der wunderlichen Annahme einer noch heute 
fortbestehenden Urzeugung ist zuzugeben, daß e3 für den menschlichen Körper 
ebenso wie für den A>erboden von Vorteil ist, wenn ihnen solche Stoffe, 
die ihnen mangeln, gleichwohl aber für das Gedeihen des Menschen bezw. 
der auf dem Aer gebauten Pflanzen unentbehrlich sind, in der Nahrung 
bezw. im Dünger zugeführt werden. Daß die verfeinerten Feldsteine, die 
mit der AFererde gleichen Ursprungs sind, neben Mist und „Humus“ ein 
geeignete Düngemittel sind , dieser Gedanke scheint mix nicht abzuweisen 
zu sein. 
- Ebenso liegt etwas Gutes in dem Vorschlage, gewisse Chemikalien 
in den Körper zu schaffen , wenn die Stoffe, aus denen sie bestehen , im 
Körper nicht in genügender Menge enthalten sind. Aber verfehlt ist es, 
nun zu meinen, daß wir damit ein Hauptmittel zur Heilung der Krank- 
heiten gefunden haben. Leben und Gesundheit sind nicht in erster Linie 
in vem Vorhandensein gewisser, den Leib aufbauender Stoffe begründet, 
sondern darin, daß die Lebens vorgänge in normaler Weise von statten 
gehen. Hensel. aber würdigt die physiologischen Thatsachen schlecht, wenn 
er>meint, daß seine Salze, die -ex Spannstoffe nennt, aus sich selbst das 
geeignete Kräftespiel des Körpers in Gang sebßen. 
*) Vergl. hierüber: K. F- Jorban, Das Trägheits8geseb = ein Grundgeseß 
ver Physik; in der „Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" 1888, 1. Bd. Nr. 23 S. 184.
	        

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