Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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merkantile Wollkrisis war, blieb mit 40 stationär, während das Jahr 
1887 voraussichtlich wieder eine Verdoppelung also 80 bringt. 
So betreten wir also mit gemischten Gefühlen das neue Jahr : 
Gehobenen Sinnes dürfen wir das unaufhaltsame Fortschreiten der 
Bewegung im ganzen betrachten. Als Patrioten müssen wir befürchten, 
daß Deutschland wahrscheinlih auch diesmal wieder die Gelegenheit 
sich entgehen läßt, seinen militärischen, politischen, wissenschaftlichen und 
sonstigen Ruhmesblättern ein Blatt gepflückt auf dem Felde der praf- 
tis<en Humanität hinzuzufügen. Dieses Gebiet scheint noh auf länger 
die Domäne Englands zu bleiben. Jäger. 
Noch ein Vorläufer des Wollregimes, 
Von Sciller-Tieß. 
Der in ven 50er Jahren an der Berliner Universität lehrende Pr'o- 
fessor Ir. CG. Shulß-Scultenstein, der seine Philosophie auf die 
Gallshe Schädellehre basierte, giebt in seinem Werke „Neues System 
der Psychologie“ (Berlin, Hirschwald, 1855) einige sehr interessante Worte 
über die Wolle, die auch von K. F+ Sc<hnell-Prenzlau, einem An- 
hänger von Sc<h.-S<h. in seiner „organischen Erziehungs5pflege 
aus dem Gesichtspunkte der Gesundheit“, Dresden 1855, wie- 
dergegeben werden, Dort heißt es: 
„“;e wollene Kleidung erscheint als die natürliche, 
mit d-y Haarbekleidung der Tiere übereinstimmende, und 
hat auc) vie meisten Eigenschaften, wel<he man von einer 
Körp2rbede>ung verlangen kann. Die Baumwolle ist nur als 
ein Ersaßmittel der Wolle und die Leinwand als eine Hilfsbekleipung 
zur Abänderung einzelner Eigenschaften der wollenen Kleidung zu betrachten. 
„Das Eifern gegen die zu erhißende Wirkung wolle- 
ner Bekleidung ist teils überhaupt unbegründet und beruht 
aufunvolikommener Berü>sichtigung der natürlichen Eigen- 
schaft2n der Wolle, teils erledigt es sich von selbst dur< die 
vershiedene Stärke, welche man der wollenen Bekleidung 
für bestimmt: Zwecke geben kann. Ein Punkt kommt nur in Be- 
tracht, nämlich vie Reibung, welche notwendig jede Bekleidung bei der 
Hewehung auf der nackten Haut erzeugt, und wodurch Wolle und noch 
mehr Baumwolle, auf der naten Haut getragen, besonders in der Jugend, 
die Hautfunktionen zu sehr aufregen kann, wobei dann durc die verstärkten 
Sekretionen zugleich die Kleidunasstücke leicht verunreinigt werden und 
öfter gewechselt werden müssen. In diesem Falle erscheinen leinene Hem- 
den als Unterkleider von vortrefflicher Wirkung in Bezug auf Reinlichkeit 
Jsowohl als auf Abwendung der Hautreizung, und sie sind daher auch den 
baumwollenen Hemden weit vorzuziehen, durch deren Reibung besonders 
in wärmeren Gegenden zu mandherlei Hautkrankheiten Veranlassung ge- 
geben wird, um so mehr, als die Haut dadurch übermäßig ausgetrod>net 
und spröde wird. 
„Inzwischen wird die nässende und kältende Wirkung der leinenen 
Bekleidung besonders in naßkalten Gegenden und Jahreszeiten, und vor- 
züglich im späteren LebenSalter in Verbindung mit zu leichter Oberklei-
	        

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