Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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Das Merkwürdigste bei den beiden lezten Anfällen war jedenfalls, 
wie ich mich gegen andere sofort aussprach, daß ich mich keiner eigent- 
lichen Ursache zu entsinnen weiß. Cin Anlaß zum Darmfkatarrh (Kri- 
sis) lag jedenfalls in dem vorhergehenden Trauerzustande meines Gemüts, 
dem sich bald die Sorge zugesellte: wie wirst du Weihnacht die Strapaze 
ausöhalten ! Sobald diese leßtere eintrat, womit zugleich =- leider noch! =- 
bei dem Zusammensein mit vielen Falschgekleideten im schlecht gelüfteten 
Zimmer das Einatmen von fremdem und eigenem Selbstgift verbunden, 
Jobald trat auch urplößlich der fatale Darmkatarrh auf. (Angststoff?) 
Lebte Weihnac<ht suchte ich die Luft durc< Verdunstenlassen von 
Ozogen in platter Schale zu verbessern ; der Staat ist eben noch in diesen 
Dingen für seine Beamten zuweit zurü&, was auch leider vom Militär 
gilt. Wie unsagbar herrlich, wenn Jhr Prinzip in allen öffentlichen und 
militärischen Verhältnissen dur<geführt wäre -- und wie sparsam für 
den Staat! -- 
Waren obiges nicht wirkliche Krisen, da auch die seit langer Zeit 
nicht gespürten Krankheiten erst nach Art der Wollkrisen am spätesten sich 
wiederholten -- weil sie sih am längsten im Körper festgesetzt? 
Nachdem nun (ich darf es wohl behaupten, obgleich ich wegen 
vieles absorbierenden schweren Berufes manchen Fortschritt anderer nicht 
erleben werde!), nachdem also bin ich den ganzen Winter z. B. munter wie 
Fischlein im Wasser und singe : 
„Wer wollte sih mit Schnupfen plagen, 
„I<h trage Woll und bin vergnügt.“ 
Kleinere Mitteilungen. 
Die Wolle als Schußhmittel gegen die Tarantel. Es verdient 
gewiß als eine merkwürdige Thatsache verzeichnet zu werden, daß nach dem 
übereinstimmenden Ausspruche dex Kirgisen die auf der Kirgisensteppe sehr 
häufig vorkommende Tarantel sich von den „Kibitken“ (Filzzelten) dieser 
Nomadenvölker absolut fernhält. Wie mir die Kirgisen an Ort und 
Stelle mitteilten, liege der Grund darin, daß die Kibitken aus purem 
Wollfilz angefertigt und von innen ausgelegt seien, dessen Ausdünstung 
der Tarantel in höchstem Grade zuwider sei, 
Diese Thatsache berichtete ich, gelegentlith eines größeren Artikels 
über die Kirgisen, shon im Jahr 1868 in der „Alten und neuen Welt“ 
=- und zwar vom fernsten Osten aus. Damals, also zu einer Zeit, da Prof. 
Jägers Wollregime noch nicht existierte, schrieb ih über diesen Gegen- 
stand an gedachter Stelle wörtlich: „Der Filz soll die Eigenschaft besißen, 
die Tarantel, diese gefährlihe Schwester des Skorpions, jernzuholten. * 
.. B--ler. 
Pflanzenfaser und üble Gerüche. Ueber diesen Punkt erhalte ich 
folgende Mitteilung von einem- wollenen Landwirt: „Es wird Sie iuteres- 
sieren, daß in Nr. 37 1, Jahrgang der „Molkerei-Zeitung“ (Hilde3heim?) 
zum Durchseihen der Milch wollenes Müller-Beuteltuch empfohlen wird 
und zwar von Benno Martiny, der eine Autorität im Molkereifache ist. 
BisSher wandte man zum Walen der Mil<h Leinen- oder Baumwollentücher 
an, die troß Lüftens und Waschens bald einen penetranten, unangenehmen 
Geruch annehmen, so daß man sich wundern mußte, daß bisher noch nie-
	        

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