Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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zuf dessen Bethätigung, die Natur, 'der Wahrheit zustreben, so müssen 
sie, wofern si? jeder ihren Weg nur strikte gehen, zuleßt einander 
inf wlbar begegnen. Dies ist der Fall! zwischen Ihnen und mir. 
Sel.-it wenn 'E io, wie es fast scheint, den Geist auch nicht gesucht hätten, 
so haben € > ihn zuleet doch gefunden. 
C> Fimnit mir zwär so vor, als ob auc<h Sie, wie das Gros 
der Vaturfo»"1 -x überhaupt, nicht allzuviel von der Philosophie hielten, 
wohl wei = * in völliger Terkennung ihres Standpunktes sich nur 
zu 0't verm“ * %'y Naturforschung die Wege vysHreiben zu wollen. 
Gle:chwohl € *bsolüt nicht ohne ein wenig * „«"fophie,' besonders 
nicht b4 uns veutichen. Der Verfasser einer italienischen Geschichte 
der %"iloson!l > aus dem vorigen Jahrhundert fängt in seinem Werke 
mit Adam a“, und' wie spaßhaft das auch aussieht, eine gewisse 
Berechtigung hat er do<. Der Mensch trägt nun einmal den unwider- 
stehlihen Dran? in sich, den ganzen Umfang der Erkenntnis in seiner 
Person zu vollziehen, und da dies auf dem Wege empirischer Forschung 
erst in Jahrtausenden und nur durch die Arbeit des ganzen Geschlechtes 
möglich ist, so bildet er sich eine aprioristische Vorstellung von dem 
Zusammenhange und dem Urgrunde der Erscheinungen und nennt das 
Philosophie. I< bin fest überzeugt, daß Sie selbst, wenn Sie Ihren 
Entde>ungen ein möglichst schwer verständliches metaphysisches Män- 
tel<hen umgehängt hätten, sofort von der ganzen Gelehrtenwelt mit 
Fanfaren würden empfangen worden sein. Damit 'wären dieselben 
dann freilich für das praktische Leben verloren gewesen; es ist" also 
schon besser sv. Nichtsdestoweniger ist die Zahl derer, welche auch 'das 
Trefflichste perhorreszieren, solange "es" nicht den Stempel des „Ueber- 
sinnlichen“ trägt, sehr groß, und es befinden sich sogar nicht wenig 
auch in wissenschaftlicher Beziehung ganz respektable" Leute darunter. 
Diese werden sich sicher "erst dann zu Ihrer Entdeckung bekennen, wenn 
sich die Philosophie Ihrer Lehre bemächtigt haben wird. Hier möchte 
ich "eintreten, wenn ich nür auf diesem Gebiete schon einen Namen 
hätte und niht von der Mißgunst ver sozialen Verhältnisse mit Gewalt 
niederg:Jalte* würde, 
vaun no. etwas über Ihre Seelenlehre selbst. Meiner Meinung 
nas“ würden Sie viel weniger Widerspruch erfahren haben, wenn Sie 
nic, dur ven Titel Ihres Buches zu dem" Mißverständnis Anlaß 
gez cn hätten, als glaubten Sie / "die Seele als solche, das Wesen 
derselven 'in ihrem Ansichsein entde>t zu haben, während Sie doh, 
wofern ic) Sie nicht gänzlich mißverstehe ,' nur die Seele in ihrer 
Relation zur organischen Welt entde>t zu haben beanspruchen. Das 
erstere wird auch wohl auf dem Wege des sinnlichen Forschens für 
immer uninöglich sein; denn von außen =- so modifiziere ich Hallers 
Ausspruch = von außen dringt kein Mensc<h ins Innere der Natur. 
Wie tief er auch eindringt, immer bleibt das, was er findet, noh ein 
Aeußeres, immer stehen sich die gleichnamigen Pole gegenüber, die
	        

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