Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1888, Bd. 7, H. 1/12)

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all' den verschiedenen Geschäft8zweigen, in welchen er sein Glü> versuchte, 
nur ein Vermögen von 70000. fl. „erwerben“ konnte, verfiel eines 
Tages auf die nicht mehr neue Jdee, durch Monopolisierung eines Zn- 
dustriezweiges sein Vermögen zu vervielfältigen. Er kaufte eines der 
oberösterreichischen Sensenwerke an, die bekanntlich seit alters her ihre Gr- 
zeugnisse ausschließlich in Rußland absehen, wo diese solide Ware sich 
eines ausgezeichneten Rufes erfreut. Darauf baute nun Holländer seinen 
Plan. Er ließ seine Sensen mindexer Güte mit den Marken jener 
Gewerke versehen, deren Erzeugnisse in Rußland am meisten geschäßt und 
gesucht sind, und bot sis. dann in Rußland um 20 Prozent unter dem 
Preise der echten Erzeugnisse aus. Thatsächlich gelang es ihm, 30 000 Stü> 
solcher Sensen in Rußland abzuseßen, aber der zweite Teil seines An- 
s<hlages, welcher darauf hinauslief, die alten soliden Werke durch seine 
Konkurrenz zu ruinieren und um ein billiges Geld an sich zu bringen, 
mißglückte. Der Staatsanwalt schritt zu rechter: Zeit ein und erhob 
gegen den sauberen Patron die Anklage wegen Betruges. Darauf scheint 
dieser nicht gefaßt gewesen zu sein, denn wie er ihm verriet, hatte er geglaubt, 
im schlimmsten Falle wegen Uebertretung des Markenshußgeseßes zu einer 
Geldstrafe von einigen hundert Gulden verurteilt zu werden. Der Staats- 
anwalt ging jedoch. von der Ueberzeugung aus, daß der Schwerpunkt der 
That Holländers nicht in vem augenblicklichen Schaden der Sensengewerke, 
sondern in der Entwertung des gesamten österreichischen Erzeugnisses auf dem 
russischen Sensenmarkte, seinem einzigen Absabgebiete, liege. Das Shwur- 
gericht pflihtete auch der Auffassung des Staatsanwaltes bei, indem es 
die Betrugsfrage bejahte.  Maxvkus Holländer wurde daraufhin zu fünf 
Jahren schweren Kerkers verurteilt und gleichzeitig wurde seine Abschaffung 
aus sämtlichen Provinzen Oesterreichs ausgesprochen.“ 
Dieser Prozeß ist mit Rücksicht auf ähnliche Geschäftskniffe auf dem 
Gebiet der Industrie in Normalartikeln für uns nicht ohne Interesse. 
Aehnlih wie der Wiener „Unternehmer“, so liefert auch eine gewisse Sorte 
der Konkurrenten in Normalartikeln statt solider Ware =- minderwertige, 
welche aber natürlich gleichwohl „unter vem Namen der echten Ware, 
womöglich mit täuschender Nachahmung der Schubßmarten derselben, unter 
Mißbrauch meines Namen53, gegebenenfalls meines Facsimitle-in 
den Handel „lanciert“ wird, wie der schöne deutsche Ausdru> lautet. I< 
mache mir hie und da den Spaß, Waren, die von der Konkurrenz stammen, 
auf meinem Bureau untersuchen zu lassen, und da kommen dann aller- 
dings hie und da Sachen zu Tag, die fast über den Spaß sind. 
Ueber ein Stüclein dieser Art hat schon das Monatsblatt 1886 
Nr. 6 S,. 153 f. erzählt. Wen es gelüstet, der kann den Bericht darüber 
am angegebenen Ort nachlesen. 
„Heute sind mir gerade einige weitere Fälle von solcher unreeller 
Handlungsweise zur Hand, die ich dem Leser nicht vorenthalten will. 
Zm vorigen Herbst wurde mir von befreundeter Seite ein sogen. 
Normal - Hemd zugesandt, das den nicht mehr ungewöhnlichen Stempel 
trug: „Normal-Unterkleidung. Geseßlich geschüßt. System Professor 
Dr. G, Jäger“. Die genauere Prüfung des Gewebes ergab, daß es nur zum 
geringen Teil (10--20/,, in einem Präparat mehr, im anderen weniger) 
aus Wolle, zum weitaus größten Teil aber aus Baumwolle bestand. Das 
Aussehen eines „naturbraunen“ Hemds war diesem Stü> dur< Verwendung
	        

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