Volltext : Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1890, Bd. 9, H. 1/12)

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Wer sich nun nur an dieses hält, den schon vorher bestehenden <ronischen
 Zustand ignoriert und den Eintritt des akuten Stadiums als
Beginn der Krankheit auffaßt, kann nie ein richtiges Verständnis
gewinnen.
45. Das auslösende Moment ist sehr häufig wieder die Kälte,
allein einmal nicht immer und häufig nur scheinbar.
46. Wenn ein Mens< mit <ronischer Selbstvergiftung sich der
Kälte oder auch noch zugleich der Nässe ausseßt, so hat der teilweise
Rüctritt des Blutes aus der Haut zunächst Verminderung der Wärmeabsonderung
 und diese wiederum Steigerung der Binnenwärme zur
Folge, und ist diese genügend ho< oder die Ladung mit Selbstgift
eine hohe, die schon deshalb zur Selbstentladung neigt, dann bildet
sie das auslösende Moment. Den ersten Anstoß gab die Außenkälte,
den lekten die Binnenwärme.
47. Hat ein Mens<h dur<h Aufenthalt in schlechter Zimmerluft
und ungenügende Bewegung sich verweichliht, d. h. eine <ronische
Selbstvergiftung zugezogen und er verseßt sich jeht in gute, reine
Luft, so braucht diese nicht notwendig kalt zu sein, um eine Auslösung
des aufgespeicherten Giftes herbeizuführen. Der anderwärts besprochene,
in reiner Luft enthaltene Cosundheits- und Heilfaktor genügt hier vollständig
 zur Auslösung. Aber wenn jetzt beim schönsten, wärmsten
Wet: > eine solche Auslösung mit den gleichen Krankheitserscheinungen
wie im vorig:a Fall eintritt, so- muß dies verwirrend wirken auf den.
der das auslösende Moment für die Krankheitsursache hält.
42. Andererseits muß aber auch der Grund dafür gesucht
werd; warum denn doh die Ansicht von der Erkältung als einer der
häufigsten Krankheitsursachen nicht bloß entstand, sondern vom Volk
so hartnäckig festgehalten wird. Das hat seinen einfachen Grund im
Fieberfrost, dem ersten auffälligen, fühlbarsten Symptom des
akuten Abschnitts. Dessen vollem Ausbruch geht sehr gewöhnlich als.
erstes Siznal leichtes Schaudern mit Kältegefühl voran. Dieses leßtere
 deutet vr Kranke. der ja meist keine physiologischen Kenntnisse
hat, als ü.ißere Kälte, „er müsse in einen Zug gekommen sein,
denn cs Yabe ihn geschaudert"“. Dieser Grund ist für den Patienten
durchla, „ad, er ist überzeugt, sich erkältet zu: "en.
S 41. Das akute Stadium der Grkältu.1> verläut immer
unter dem Bild des Fiebers und damit kommt aug in die Fieberfrage
 volle Klarheit. Man hat sich bei dieser fast jederzeit mit ganz
besonderer Vorlieb2? an die großen Seuchenfieber :-halten, an diesen
seine Theorien gebildet, und als man bei diesen die Schmaroßker, die
Bazillen fand, verallgemeinerte man sofort, sah bei jedem Fieber Bazillen
 und läugnete jekt erst recht die Erkältung. Das ist nicht richtig.
20. Es giebt reine Erkältungsfieber, bei denen der Anstoß
 zur Erkrankung mit Bazillen nicht das geringste: zu thun bat,
wenn diese sich auch ost genug später an dem Prozeß beteiligen. Die
            
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