Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Hautmilch des Mol<h5 festgestellt. J< gebe nun im folgenden das, was 
die neue Ansunbe von Brehms5 Tierleben im betreffenden Band 
S. 632 und 633 darüber sagt: 
„Davy, der den Saft der Kröte untersuchte, bemerkt, daß er auf 
der Zunge ungefähr die Wirkung des Eisenhutauszuges hervorbringe, G. 
Calmels fand darin Methylcarbylamin und einen zweiten diesem Körper 
verwandten Stoff und im Giftsafte des Kammmolches eine Aethylcarbyl- 
aminverbindung, der er Geruch und giftige Eigenschaften verdanke, Le 
terer Chemiker stellte auch fest, daß alle Hautgifte der Lurche in die Leucin- 
oder in eine verwandte höhere Amidosäure-Reihe gehören und daß sie, rein 
dargestellt, noch giftiger sind als wasserfreie Blausäure. Nach den von 
Gratiolet, Fatio und Chloez-aängestellten Versuchen tötet der Drüsen- 
saft der Kröten kleine Vögel, denen er eingeimpft wird, und «wirkt selbst 
in dem Falle noch, wenn er vor dem Einimpfen getrocknet worden ist. 
Auch Röbbeler hat gefunden, daß der Schleim tödlich wirkt, wenn er 
jungen Hündchen, Meerschweinchen, Fröschen und Wassersalamandern durch 
Einschnitte ins Blut eingeführt wird, ebenso, daß der Saft der Wasser- 
molche und Erdsalamander , in gleicher Weise der Kröte beigebracht, dieser 
verderblich wird. 
„Ballas erzählt, daß er einen Mops besessen habe, der es nicht 
lassen konnte, Kröten totzubeißen , davon aber geschwollene Lippen bekam, 
frank ward und starb. Diesen Bemerkungen fügt Lenz eigne Beobachtungen 
hinzu; die jene Angaben bestätigen. „Daß man zarten Stubenvögeln 
einen Sand geben dürfe, der mit der von Kröten ausgehenden Feuchtigkeit 
in Berührung gekommen ist, weiß ich aus folgender Thatsache: Jm Jahre 
1859 ließ ich frischen Sand für meine Kanarienvögel holen, that einen 
Teil davon in einen Topf, die Hauptmasse aber in einen Schuppen und 
legte eine Bretterthür zum Schuße gegen Verunreinigung darauf. Im 
Winter und Sommer bekamen die Vögel öfter frischen Sar aus dem 
Topfe und befanden sich wohl dabei. Jm Sommer 1860 siedelte sich eine 
ungeheure Kröte unter der Bretterthür an, kam jeden Abend hervor, wartete 
vor dem Brette eine Zeit lang und kroch dann über Nacht im Hofe und 
Garten umher. Da ich ihr oft abends vor ihrer Klause einen freundlichen 
Besuch abstattete, wurde sie bald ganz zutraulich. Zm Herbste war der 
Sand des Topfes verthan. J< hob nun das Brett auf und fand unter 
ihm die von der Kröte gemachte Höhlung und die Kröte selbst. Der Sand 
war nicht, wie ich erwartet hatte, ganz tro>en, sondern von einer Feuchtig- 
keit durchzogen, die -wohl von der Bewohnerin ausging. Die von ihr ge- 
machten Höhlungen durchzogen nur die Oberfläche; um sicher zu gehen, hob 
ich mit einer Schaufel den oberen Sand 15 cm hoch ab, nahm von dem 
in der Tiefe befindlihen und gab: davon drei gesunden Kanarienvögeln. 
Sie fraßen davon; der eine Tard selbigen Tag, die zwei andern, denen ich 
den Sand schnell wegnahm, in den nächsten Weocen.“ Zwei Versuche, 
die jedermann leicht anstellen kann, beweisen nach C. Böttger mehr als 
alle Worte die Giftigkeit der Hautabsonderung der Lurche. Man halte nur 
einmal wohlerzogenen Hunden eine Kröte vor die Nase! Der eine zieht 
die Nase und .die Stirnhaut hoch und wendet den Kopf ab, ein anderer 
nimmt den Schwanz zwischen die Beine und ist um keinen Preis zu be- 
wegen: wieder nahe zu kommen. Der zahmste Hund beißt nach der Hand 
eines Herrn, die versuchen wollte, im eine Kröte in den Rachen zu
	        

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