Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Beilage zu Prof. )r. G. Jägers Monatsblatt. 
Stuttgart. VN. 10. Oktober 1892, 
Wie es gemacht wird. 
Unter der Ueberschrift „Zur Warnung des reisenden Pu- 
blifums“ bringt die „Deutsche Reichspost" vom 8. September 
nachstehenden Bericht einer „des Vergnügens wegen“ reisenden Dame 
aus dem Rheinland über ihre Erlebnisse an der österreichischen 
Gren“ 
unto? , den “2, August ds. I8., reisten wir von Bad 
Wo“ runn * Schloyien ab, hesuchten Montag Adersbach und 
Wecke >o>* 12» übernachteten von Montag auf Dienstag in Friedland. 
Heute, * ienst; r'orgen, reisten wir gegen 9 Uhr von Friedland über 
Halbstadt, um “ Braunau und späterhin nach Bad Reinerz zu ge- 
langen. Hal!' “tt & Grenzstation und gehört zum Eisenbahnbezirk 
Breslau. In bstadt ancekommen, mußten alle Reisenden aussteigen. 
Sofort bemächtigten sich Bahnbeamte unseres Gepä>s. Alle Reisenden 
werdon in einem engen Naume eingeschlossen und desinfiziert. Nach 
geschehener- Desinfektion wurden wir =- mir selbst war übel bis zum 
Erbrechen a-worden =- wieder auf den Bahnsteig gelassen. „Haben 
Sie Gepäctü>-, s9 öffnen Sie dieselben,“ befahlen uns die Bahn- 
beamten. In der Meinung, die Zollrevision werde nun stattfinden, 
öffneten wir unsere Koffer und Reisetaschen mit dem Bemerken: „Wir 
fü**1 feine steuerpflihtigen Sachen mit.“ „Das Gepä> muß des- 
inft,u.t werden,“ gaben uns die Beamten zur Antwort. „Werden wir 
denn auch noch mit unserem Zuge weiterkommen,“ fragten wir, worauf 
die Antwort lautete: „Nein, der Zug wird gleich abgehen, und bis da- 
hin sind wir noch nicht fertig. Sie müssen hier drei Stunden warten, 
dann - “ dor nächste Zug ab.“ Machte uns dieser Bescheid schon sehr 
verd" h. j9 wurden wir aber ganz entrüstet, als einige Beamten 
uns ten: „Ihre Gepäckstücke werden bei der Desinfektion gänzlich 
ruin werden.“ Koffer, Reisetaschen , Mäntel, Schirme und jeg- 
ließ << andgepäd wurden nun in den Desinfektionsapparat einge- 
fehlan: 4 und eine Vier“ tunde lang einem Dampfe von 400 Grad 
WPärm2 ausgeseßt. End'-<h wurde der Kasten geöffnet; aber welch ein 
Anbli> bot sich unseren Augen dar! Naß und glühend heiß kam jedes 
Stü> heraus; unsere Sachen waren kaum wieder zu erkennkn. 
An kostbaren und wertvollen Lederkoffern war das Leder ganz zusammen- 
geschrumpft, und sie hatten ihre ursprüngliche Farbe und Form ver- 
loren. Die Ledergriffe an meiner Tasche fielen wie Zunder in Stücke; 
eine schwarze Ledertasche war auseinandergeborsten, die Tragriemen
	        

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