Volltext: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Bei schwächlichen Personen: und solchen, die viel Krankheiten hinter fich haben, 
ist deöhalb große Vorsicht angezeigt , aber unbeding! auszuschließen sind 
Schwächliche in den meisten Fällen nicht. 
„Zum Schlusse muß ich noch eines hervorheben, daß die Wolle, jo un- 
angenehin sie bei manchen anfangs die Haut reizt, doch wieder pft das einzige Heil- 
mittel bei einer Hautkrankheit, dem sog. Prurigo ist. Diese Juflechte ist 
sehr hartnäkig und widersteht meist allen möglichen Kuren und so machte 
mein einstiger Lehrer, Prof. Ebstein in Göttingen, uns bei der Be- 
sprechung derselben auf das Prof. Jäger'sc<he Wollregime aufmerksam : 
„Wenn Sie nun gar nichts mehr wissen, so empfehlen Sie als ultimum 
rofugium (leßte Zuflucht) die Wolle ; sie hat shon manc<mal dabei recht schöne 
Erfolge erzielt.“ 
IL. Mündliche Mitteilung an Professor Jäger. Herr H., 
den ich jährlich mehrmals zu sprechen Gelegenheit hatte, teilte mir schon 
vor Jahren mit, daß seine schwer leidende, von Sculmedizinern ersten 
Nanges vergeblich behandelte Frau durch das Wollregime, das ihr der 
verstorbene Königliche Leibarzt Professor Dr. Tapy verordnete, voll- 
ständig hergestellt worden. sei, do aber er sclb t die Wolle absolut nicht 
ertrage, er bekomme ein so heftiges Hautju>en, al3 weiin er in einem Sa 
voll lauter Flöhen oder Ameisen steXen würde und die ganze Haut. bedeke 
sih mit kleinen roten FleXen. Da seiner Frau die Wolle so gut thue, 
habe crx es wiederholt versucht, aber immer mit dem gleichen Erfolg. Im 
Frühjahr 1891 kamen wir wieder darauf zu sprechen und als ich be- 
merkte, daß nach meiner Erfahrung in solchen Personen ein Krankheitsstoff 
stel? Zen die Wolle durch die Haut auszutreiben suche, entgegnete mir 
Hen: 
Da3 könne bei ihm nicht der Fall sein, er sei nie in seinem Leben 
krank gewesen, habe don französischen Feldzug mitgemacht, ohne krank zu 
werden, kurz er besitze eine unverschämte Gesundheit. 
Als ic entgegnete, es sei ja möglich, daß es Ausnahmen von dem, 
was i.) als N2gol beobachtet, gebe, fügte er bei, daß Prof. Napp schon 
damals, a.3 ;* scine Frau in die Wolle stete, auf seine Ansrage, ob er 
auch ihm die 22oll» * > ihw immer wieder Juen verursache, anrate, be- 
merkt habe: „Zür so " Ublonde Leute, wie Sie, paßt wohl die Wolle nicht!“ 
Diesen Sommer (etwa 6--8 Wochen darnach) höre ich, Herr H. sei 
an einer sweren Nippfellentzündung erkrankt. I< sagte mir : also 
habe ic) vom Nce<t gehabt, daß in dem Mann etwas ste>e, aber bewiesen 
ist der Zusammenhang zwischen der Ju>wirkung der Wolle und der Ripp- 
fellentzündung erst dann, wenn die Wolle jezt nach überstandener Krankheit 
kein Juen mehr hervorruft. z 
3 Im Herbi trafen wir uns wieder und da ich mit meiner ersten Vor, 
hersage im Recht geblieben, so erklärte sih Herr H. zu dem Versuch bereit. 
als ich sagte, ih glaube, daß ihn die Wolle jezt nicht mehr. juFen werde. 
] So-war's denn auch; vor einigen Tagen war ich dort und Herr H 
empfing mich sofort mit der Nachricht, daß er die „Wolle jezt. trage. und 
zwar mit großem Behagen, von Juden keine Spur! m ys. 
EN Fh fam nun: Der Krankheitsstoff, welcher in den beiden Fällen 
die Rippfell tijändung erzeugte (denn auch bei Herrn Dr. Göhr um handelte 
es sich um eine Rippfellentzündung), war der ganz gleiche, welcher das 
i)
	        

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