Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

(0 
Eine neue Traubensorte. Herr K. H. Neuffer schreibt mr: 
„3. Bandle, der Züchter der neuen Traubensorte, sendet Jhnen ein 
Exemplar derselben, indem sich derselbe der Hoffnung hingiebt, daß Sie 
davon in Jhrem geshäßten Monatsblatt Notiz nehmen. Er findet hier 
mehr und mehr Anerkennung. Vom Frühjahr an jind wieder bewurzelte 
Pflanzen zu haben. 
„Leider haben eigentliche 1chblätter, welchen ich die betreffende Mit- 
teilung machte, bis jett keine No:13 davon genommen. Nichts anderes als 
der Neid ist hieran schuldig, weil die betreffenden Redakteure die Traube 
nicht selbst gezüchtet haben. 
„Sie kennen die gedachten Leute ja aus eigener Erfahrung. 
„Der Einfachheit wegen wurde die Traube J. Bandles Heilbronner 
Wildling genannt und unter viesem Namen hier ausgestellt. 
„3n jedem Falle wird das Bedürfnis immer dringender, die Reben 
durc< Neuzucht aus Samen zu regenerieren.“ 
Hierzu erhalte ich (Jäger) von besreundeter Seite folgende Be- 
merkungen; 
Die Traubensorte, um die es sich hier handelt, ist aus Samen 
gezoge.1. 1. h. aus den Kernen, wie sie sich in den Traubenbeeren finden. 
Ein sol.. .x Kern kam ohne Zweifel im Dünger in ein Beet und keimte 
dort. (Auch sonst ist die Thatsache bekannt, daß Samen, die durch den 
Leib eines Minichen oder Tieres wandern, ihre Keimkrast nicht verlieren, 
sondern daß diese dadurch im Gegenteil erhöht wird. Sonst wäre es 
ja auch eine zwewidrige Einrichtung, daß mans 2 Samen in oder an eß- 
baren Früchten sich befinden.) Tr junge Shößling wurde von Bandle 
gefunden und in Erkenntnis der Wichtigkeit des Fundes sorgfältig gepflegt. 
Die davon "2wonnene Traube, die an den „Rotelben“ erinnert, von welchem 
die neue € '' * 2?rmutlich abstammt, ist sehr gut, sitß und voll schmedend. 
Was Band: ;glüt ist, haben schon andere vor ihm angestrebt und zum 
Teil auch feri. x gebracht, Trauben aus Samen zu ziehen. Es ist dies 
aber nicht so einfach, auch in seiner Wichtigrieit noch nicht genügend erkannt, 
weshalb Bandle53 Leistung wohl anerkannt werden darf. Zur näheren 
Erläuterung der Sahe für den nickt sachverständigen Teil der Leser be- 
merke ich: Bekanntlich werden junge Weinstö>e gewöhnlich dadurch gezogen, 
daß man Zweige von Weinreben 1bi<hneidet und in den Boden stet. Diese 
„Steklinge“ bewurzeln sich nicyt ungern und der. junge Stoc> ist fertig. 
Allein dies ist keine Beriar Un 3: U-- dem, 3 10, keine gründ- 
liche Berjüngung, sondern sozujagen ein at zekürzt. r Weg, junge Pflanzen 
zu gewinnen. Nun, wenn immer nur auf. diesem Wege verjüngt wird, so 
2 dies mit der Zeit zu AU Bschwäche bei den so gewonnenen Pflanzen 
[er zu einer Abnahme der Lebenskraft und Widerjtandskrast, zu Kränk- 
lichkeit, zu einer Disposition für Vernichtung der Pflanze durch Schmarokßer. 
Bei den Reben findet diese ungenügende Art der Verjüngung seit vielen 
Jahrhunderten statt, daher auch die oben geschilderten Folgen, insbesondere 
die Reblausgefahr, auch an die Peronospora sei hier erinnert. Ein Aehn- 
iches sehen wir bei Kartoffel und Apfelbaum. Die Kartoffelpflanze wird 
ebeifons gewöhnlich nicht aus dem Ee der in den grünen Samen- 
[ugeln enthalten ist, verjüngt, sondern mittels der Wurzelknollen. Auch 
ei ihr geschieht das seit Jahrhunderten, auch sie ii eine durch Krankheit 
Ser (Kartoffelpilz und auch Kartoffelkäfer) schwer bedrängte
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.