Full text: Professor Dr. G. Jägers Monatsblatt : Zeitschrift für Gesundheitspflege u. Lebenslehre (Jg. 1892, Bd. 11, H. 1/12)

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Kulturpflanze. Ein solcher Patient ist auch der Apfelbaum, dessen Dasein 
die Blutlaus nicht wenig gefährdet. Auch bei ihm findet meist gewisser- 
maßen eine abgefürzte Berjüngung statt. Zwar die jungen Bäumchen, 
Wildlinge, werden aus Kernen gezogen, auf die kleinen Wildlinge aber 
wird ein von einem alten Baume geschnittenes Reis gepfropft, das die 
Verjüngung durch Keimung des Samens nicht mitgemacht hat, sondern 
auf den neuen Stamm die Altersschwäche des älteren Baumes, von dem 
28 genommen wurde, überträgt, und so geht das fort. Auf diese Weise 
kann es die Kultur geraume Zeit weiter treiben, aber schießlich rächt 
sich die Natur, die sich manches gefallen läßt, um so unerbittlicher. Gerade 
daß in der Natur für die Verjüngung durc< Samen (neben der Fortpflan- 
zung durch Ableger) Vorsorge getroffen ist, ist ein Wink dafür , jene nicht 
zu vernachlässigen. Wie den Kulturpflanzen, die unnatürlich behandelt 
wurden, gehts schließlich auch den Kulturmensc<hen, welche auf die Natur 
hineinsündigten, schlecht. Nur heißen deren Würgengel nicht Reblaus, Kar- 
toffelfäfer, Blutlaus, sondern sie tragen andere, gewöhnlich lateinischen oder 
griechischen Namen. R. 'S. 
Veber das Brennen des Düngers. (Wieder abgedruckt aus dem 
„Obstbau“ 1891, Juli, S. 104.) Jedem Landwirt ist die Thatsache be- 
kannt, daß manche Düngerarten „brennen“, d. h. daß unter ihrer Einwirkung 
namentlich bei tro>denem Wetter die Pflanzen statt gefördert zu werden, 
notleiden, kränfeln , ia verdorren. Woher dies eigentlich kommt, dafür 
fehlte bis vor kurzem noch jede befriedigende Erklärung. Der Chemiter 
jagte, die Pflanzenphysiologie habe diese Frage zu erforschen und zu be- 
antworten; der Pflanzenphysiologe hätte gern von der Chemie eine Ant- 
wort gehabt. Nun, Jägers Lehre giebt eine einfache Antwort hierauf. 
Sie besagt: giftig kann am Ende jeder, wenn auch fonst harmlose, ja un- 
zweifelhaft nüßlihe Stoff werden, sobald er genügend konzentriert wird; 
es kommt auf v.e Menge an, in der er vorhanden ist (wie andererseits der 
giftigste Stoff durch entsprechende Verdünnung ungefährlich werden kann). 
Beim „Brennen“ handelt es sich um Stoffe, die zu konzentriert, d. h. nicht 
verdünnt genug, in zu großer Menge vorhanden sind. Als Dünger, der 
gern „brennt“ und zwar bei Trockenheit, sind u. a. die wasserlöölichen 
Superyhoö»hat2e (aber auch manche natürliche Düngerarten unter gewissen 
Verhältniß "* noprufen. Nässe verdünnt die Stoffe, bei längerer Troden- 
heit bleiben“ ze konzentriert ud werden sie giftig. Der gleiche Stoff 
3. B. Phos»9yorsäure), der in Lerbindung mit organischen Stoffen (Pho5- 
phorsäure im Knochenmehl, Pho3phorsäure mit Torf -- schwarze Super- 
„ho8vhat- day mit andeyen <hemischen Stoffen (z. B. im phosphorsauren 
Kali) auc) * "troFenem Wetter harmlos und sogar nüßlich ist, ar giftig 
sein, wenn er nicht a-bunden, sondern EW frei ist und mit voller 
Kraft und Menge wirken kann; rann ist er zu „konzentriert“, er schadet 
durch das Zuviel, eben wenn Regen over sonstiges Wasser ihn nicht 
verdünnen, 
Die praktische Nüßanwenvüng Thieräusnsybekannt?" Die "Dünger- 
sorten, welche der Landwirt als wegen des Brennens Gefu helh Fei oder 
als verdächtig ansieht, verwende man bloß bei regnerischem Wetter. Ver- 
wendet man sie bei ixo>enem Wetter oder tritt unvermuteterweise Troken- 
heit ein, so muß man eben reichlich mit Wasser begießen, falls man nicht 
die Pflanzen notleiden lassen will.
	        

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