Title:
Symposium Egon Eiermann
Creator:
Behnisch, Günter Götz, Lothar Joedicke, Jürgen Posener, Julius
Shelfmark:
4Ka 2971
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1581423712093/47/
Julıus Posener: 
"Egon Eiermann und seine Architektur in den dreißiger Jahren" 
Sie wissen, daß wir vor einem Monat etwa in Berlin eine Egon-Eiermann-Ausstellung eröffnet 
haben. Gustav Hämer hat ein paar kräftige Worte gesagt, und dann habe ich einen Vortrag 
gehalten. Ich habe einen Vortrag gehalten, weil ich Egon "damals" gekannt habe. Wir sind 
genaue Zeitgenossen, Jahrgang 04, ja sogar Herbst 04, das heißt, ich dachte, ich sei ihm nun 
wirklich sehr nah. Damals war ich ihm auch deswegen nah, weil er ein Meisterschüler von Hans 
Poelzig war, und weil ich immerhin auch ein Schüler von Poelzig war. So habe ich mich denn 
bereden lassen, über Egon Eiermann, von dem ich sehr wenig wußte, an den ich nur eine sehr 
warme, menschliche Erinnerung hatte, von damals, aber auch von späteren Zeiten nach dem 
Krieg, über diesen Egon also einen Vortrag zu halten. Als ich aber den Raum verließ, das war 
in einem Raum der Akademie, da drückte mir Brigitte Eiermann einen Band Briefe von Egon in 
die Hand, die ich nicht gekannt hatte: 150 und ich habe sie verschlungen. Das sind Briefe in 
der Auswahl, die sich fast ausschließlich mit dem Gebauten, mit der Notwendigkeit, Stellung zu 
nehmen im Gebauten, beschäftigen. Es sind übrigens Briefe, die man als durchaus, sagen wir 
einmal, offen bezeichnen darf. 
Hier lese ich Ihnen ein paar Zeilen eines Briefes an einen Bildhauer, der eine Figur für die 
Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Egon hat sie immer so genannt, in Berlin entworfen und 
Egon vorgeführt hat. Der Brief lautet etwa so: "Ich finde die Geste schablonenhaft. Ich finde die 
menschliche Darstellung ausdruckslos, weil weder die Entrückung, noch der Glanz des 
Auferstandenen einen Ausdruck finden, und ich möchte auch sagen dürfen, daß der 
anscheinende Schwebezustand oder vergeistigte Zustand des Körpers für mich nur ein 
scheinbarer ist, da diese Wirkung durch Vernachlässigung der anatomischen Wirklichkeiten 
erreicht werden soll. Ich sage Ihnen das ganz offen und ehrlich, und Sie mögen mir verzeihen, 
wenn ich aus meiner Sicht behaupte, daß dies eine Plastik für Lieschen Müller ist." Der Brief
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.