Title:
Symposium Egon Eiermann
Creator:
Behnisch, Günter Götz, Lothar Joedicke, Jürgen Posener, Julius
Shelfmark:
4Ka 2971
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1581423712093/8/
Heute meine ich erkannt zu 
haben, daß in Eiermanns besten 
Bauten gerade diese Spannung 
zwischen den gegengerichteten 
Tendenzen besticht, zwischen 
der "geschlossenen Ordnung" 
einerseits und der 
"Transparenz" andererseits. 
Seinerzeit, während meiner 
Studienzeit, gab es für mich 
zwei "Schlüsselworte". Das eine 
Wort hieß "materialgerecht", 
das andere "werkgerecht". 
Heute fühle ich in diesen 
Begriffen auch Unduldsamkeit 
und mich stört die in diesen 
Schlüsselworten liegende 
Behauptung, das eine als 
richtig, das andere als falsch 
erkennen zu können, das eine 
als "gerecht", das andere dann 
wohl als ungerecht. 
A 
Seinerzeit jedoch halfen mir 
diese Begriffe. Sie boten Hilfe 
bei der eigenen Arbeit und auch 
eine Brücke zu den Werken Egon 
Eiermanns, obwohl ich eigent- 
lich von einer anderen Art von 
Architektur kam und zu einer 
anderen Art ging und obwohl 
diese Begriffe die Arbeiten 
Eiermanns nur unvollkommen 
erfaßten. 
1946 bis 1957 hatte ich im 
Gefangenenlager begonnen, 
Architektur zu studieren; so 
gut das dort ging. Mein Lehrer 
war Bernd Kösters, ein früherer 
Assistent Paul Schmitthenners. 
Wir gingen davon aus, daß 
Gebäude im Rahmen der Gesetze 
natürlicher Materialien und des 
Handwerkes sich entwickeln 
sollten, also in einem quasi 
"natürlichen" Rahmen, auch 
bezüglich ihrer Erscheinungen. 
Eingriffe des Planers waren 
unangebracht. Ein Spruch 
lautete damals "einem Architek- 
ten soll nichts einfallen". Man 
liebte wohl Wortspiele.
        

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