Full text: Beschreibung des Oberamts Tettnang (14)

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Ort8befHreibung. 
über den mittelalterlidhen Gandel wijjen, keinen geringen Verkehr zu bhe- 
mältigen. Umfo vermunderlicher er]dheint e8, daß bis zum Ende des 
14. Yahrhundert3 eine Brücde an diejent widtigen Übergang fehlte und 
Menfchen und Wägen durch das Walfer hindurH mußten. €8 HNingt 
recht glaubhaft, menn (1374) über den großen Schaden durch die AYrgen 
geflagt mird, in der viele Leute und Güter verdorben feien, „weil keine 
Brüce darüber gebaut mar“. Yegt endlih, 1374, vereinigten fih die 
beiden GHauptinterejfenten, Graf Heinrid von Montfort und die Stadt 
Yindau, und bauten eine Brüde über die Argen und zwei HNeinere Brücden 
dabei, eine „Über den nächften Gieken“ und daS andere Über den 
Mühlbach. Dieje beiden feinen Brücklein hatte ganz der Graf zu unter» 
halten und nötigenfall® neu zu bauen. Bei der auptbrüce jollte er 
die laufende Unterhaltung Haben, jollte Deden und Tragbäume bheffern, 
Io oft e8 nötig märe, und follte auch fofort zum Neubau fHreiten, wenn 
Ein Yo der Brücke durH Ungejtüm des Wafjjer8 oder andere SGebreiten 
zu Grunde ginge. Nur wenn mehr als Ein Joch, menn zwei, drei Joche 
oder die Brücde ganz zufammenbräden, follte dur 5 Schiedleute feit» 
zejeßt werden, was jeder Teil zur Wiederherftellung der Brücke zu geben 
und zu tun habe... Um den dauernden Bejtand der Brücke zu fidhern 
(„von Blibkidhi wegen“), kamen der Graf und die RNMeichsftädter überein, 
daß jener auf der Argenbrüde — fie Heißt eben deshalb fpäter auch 
Bollbrüde — einen Zoll nehmen dürfe, und zwar bon jedem geladenen 
Saumroß hinüber und Herüber 4 Heller; von jedem Menfchen, der zu 
Nuß darüber geht „und durch das Waffer nit gewaten mag oder will“, 
1 Heller; Reifige zu Pferd jollten zolwfrei fein. Ieder geladene Wagen, 
der zwijhen Überfummeranu und dem Bodenjee die Argen paffiert, e8 
jet über die Brüce oder durH das Waffer, hinüber oder hHerüber, aibt 
8 Geller, jeder Karren 4 Geller, Icer 0; jede gewachjene Haupt, Roß 
oder Rinder, 2 Heller, Kleinvieh 1 Heller. Die Lindauer Bürger find 
Für ihren Leib frei, nicht aber für ihre Wägen und Güter 7). 
Die Gießenhbrücke, die von jet ab in den Streitigkeiten zwifhen 
Montfort und Lindau eine wefjentlide Role fbielte, vermochte in ihrer 
zriten Ausführung den Gemalten dez Fluffe& nicht lange zu troßen. 
Schon vor 1396 war fie zufammıengebrodjen und die beiden Larteien 
einigten fi nun, daß Lindau 300 MN. bezahle, mofür Montfort die 
dauernde Unterhaltung der Brüce für fiH allein übernahm; beim AWb- 
Den der Brücke follte innerhalb de8 folgenden MonatZ mit der Wieder» 
jerjtellung angefangen merden. Der Verabredung über den ZoU fHloffen 
lid jeßt aud die Städte des Bundes um den See an?). Um 1432 
mar neuer Streit’). AuZ der EntjHeidung — daß der Graf die Brüde 
machen, die Lindauer aber der Landitrake Weg geben jollen — ijt zu 
ihließen, dar eS fihH damalZ um eine Verlegung der Brücke und der 
zugehörigen Landfjiraße handelte‘). Sicher it, daß im 16. Yahrhundert 
1) St. UrlundentaufG 582. 
‚ 2) St. Urlundentaufch 582, 1413 verkauft Graf Wilhelm einen 
8in8 von 12 ® 3 au3 feinem Zoll an der Giekenbrüde, St. Ur- 
fundentaufh 39, 
; 8) Inferiert in daS Ulmer Urteil von 1468; Münden, Reichs 
archiv, ReidhSftadt Lindau. 
4) Auch Aınsberg redet 1515 von der alten Landftraße und dem 
laß, „do vor Zeiten die Brugg geftanden it“.
	        

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