Volltext : Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer 1746 - 1812

3.)

sien ; während die Füllungen der Zwischenfelder frische graziös naturalistische
 Blumengewinde in weiter Flechtform zieren. Die Stuckumrahmung
 der Fenster der beiden Schmalseiten verwendet Motive aus
dem Bereich der Festdekorationen (3. B. den Baldachin). Die Decke
ist entsprechend der Wandgliederung in drei große Kassettenfelder geteilt.
Das Ganze ist eine in Gedanken strenge, in der Foxm zart und weich
durchgeführte vein klassizistische Dekoration, die wahrscheinlich aus dem
Jahre 1772 stammt.
Schon ziemlich frühzeitig schritt der Herzog zu einer bedeutenden
Vergrößerung der Schloßanlage. Bereits im Jahre 1769 sieht er
sich denn auch veranlaßt, eine evangelische Kirche zu stiften, die den
Abschluß des rechteckigen, von eineinhalbgeschossigen Dienstwohn-Gebäuden
(Erdgeschoß und Mansartgeschoß) umgebenen Monumentenplazz bildeten 1).
Die Fassade der Kirche zeigt in der freistehend angeordneten korinthischen
Säulenordnung auf hohen Postamenten, dem vorgezogenen dreiachsigen
Mittelrisalit, der einen Frontispiz getragen haben mag, eine stark plastische
 Architektur, die tro ihrer ausgesprochenen Strenge no< enge
Beziehunpen zum Rokoko aufweist. Die Gestaltung des Innenraumes
ist unbekannt; im Grundriß war er jedenfalls rechteckig und ohne
Chorapsis. Die Raumgestaltung dürfte im Prinzip derjenigen der
späteren Bixkacher Kirche geähnelt haben, im Gegensatz dazu aber mit
einer Flachtonne abgedeckt gewesen sein ?).
In rascher Folge entsteht nun eine Reihe bedeutender Neubauten
südwestlich des Corps de Logis; hier im Angesicht des Feigengartens
der prächtige Lorbeersaal, dann der umfangreiche Marstall und das nie
vollendete Reithaus. Die diese Gebäude umgebenden Piecen wurden
gleichzeitig ausgeführt. Alle diese Anlagen fallen in die Jahre 1770
und. 1771.
Der Lorbeersaal war ein Festsaalbau von 400 Fuß Länge und
60 Fuß Tiefe. Er faßte in dem zweigeschossigen architektonisch hervorgehobenen
 Mittelbau den Haupt- oder Speisesaal, der mit zwei gleich
1) Bei der Schilderung der Anlage beziehe ich mich auf den von Fischer im Jahre
1777 aufgenommenen und im Jahre 1782 von Abel gestochenen topographischen Plan
der Solitude, der in dem Werk Herzog Karl Eugen von Württemberg veröffentlicht ist.
2) Die Kirche wurde im Jahre 1810 abgebrochen und nach Stuttgart verseßt.
Damals erhielt sie naß dem Entwurf Thourets den merkwürdigen Giebelaufsaß und
die Apsis. Inwieweit die jezige Raumgestaltung Thouretsches Eigentum ist, ließ sich
nicht sicher feststellen.
            
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