Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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Dr. Rudolf Friedrich Hohenacker (1798—1874)
Missionar, Arzt und Botaniker
von KArL BAU, Leonberg
Das Wenige, das bisher über diesen ausgezeichneten Mann und sein
interessantes Leben bekannt war, mußte man sich mühsam zusammensuchen.
 Denn es ist in meist kurzen Mitteilungen hie und da zerstreut. In
Württemberg, wo er von 1841-1874 (in Esslingen und Kirchheim/Teck)
lebte, ist bisher keine Zeile über ihn veröffentlicht worden. Erst in der
Geschichte des Esslinger Reisevereins konnten durch Mitteilungen der
Basler Mission und durch Literaturstudien nähere Angaben gemacht werden
 (BAUur 1970). Außerdem stellte sich inzwischen heraus, daß Herr
ALBERT STEIGER in Basel, ein Urenkel der Schwester von Dr. HOHENACKER,
wichtiges Material über ihn in Besitz hat.
Durch das nachträgliche Studium der in Basel vorhandenen Briefe kann
nun die innere und äußere Entwicklung seines Lebensgangs noch besser
gewürdigt werden, da sich darunter sowohl Briefe und Berichte aus Rußland
 wie auch aus Esslingen und Kirchheim befinden.
RUuDOLF FRIEDRICH HOHENACKER ist am 10. Juli 1798 in Oerlikon bei
Zürich geboren. Seine Mutter, CATHARINA, geb. RorDoORF, war Schweizerin,
während sein Vater, FRIEDRICH HOHENACKER, am 26. Februar 1762 in
Heilbronn (Neckar) geboren wurde. Sein Vater war ursprünglich Weinschenk
 gewesen, lebte aber später unter ziemlich dürftigen Verhältnissen
in Zürich als „Lohnbedienter“ im Gasthof zum Schwert. Wie aus dem
Lebenslauf und verschiedenen Briefen hervorgeht, muß der junge HoHENn-ACKER
 ein äußerst sensibler Mensch gewesen sein. Als er 1812 aus der
4. Klasse der Bürgerschule in die Gelehrtenschule kommen sollte, trieb ihn
die Furcht, wegen Unfleißes und schlechter Aufführung nicht aufgenommen
 zu werden, zu einem Selbstmordversuch. Er gab den Plan des Theologiestudiums
 auf und beschloß, sich der Arzneikunde zu widmen, um
Wundarzt zu werden. Zu diesem Zweck arbeitete er mehrere Jahre bei
Ärzten in Zürich (Dr. WAser) und in Wädenswil (Dr. REIcHARD). Schließlich
 lebte er einige Monate bei Pfarrer RorDorF in Hedingen. Dort faßte
er Interesse für die Missionsarbeit. Seine Tante LISETTE war mit LAVATER
befreundet und für ihn, stehend auf Bild 1, als Sekretärin tätig; sie heiratete
 später den Pfarrer WoLF in Hedingen. Als HOHENACKER im November
 1817 nach Basel zog, um dort eine Stelle anzutreten, trug er, ohne es
zu wissen, einen Brief des Ratsherrn LAVATER von Zürich, Bruder von
J. C. LAVATER, an den Basler Missionsinspektor mit einer Empfehlung für
den Missionsdienst in der Tasche. Am 7. Dezember 1818 wurde er dort
als Zögling aufgenommen, zusammen mit dem Adligen ZAREMBA, mit dem
er zeitlebens befreundet blieb.
            
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