Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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R. SCHMIDT 
Der Magerrasen auf dem vorderen Berg 
Der Magerrasen auf dem vorderen Berg wird auch heute noch häufig als 
„Steppenheide“ bezeichnet — so z. B. auch auf den Tafeln des Naturlehr- 
pfades. Es mag sein, daß es sich - wie aus dem Studium der älteren Lite- 
ratur hervorgeht — früher einmal um eine mehr oder weniger typische 
„Steppenheide“ gehandelt hat. Nach dem heutigen Zustand ist diese 
Bezeichnung allerdings nicht mehr am Platze — auch dann nicht, wenn man 
sich an die Definition von R. GRADMANN hält. Wir müßten sonst nämlich 
eine „bunte Gesellschaft von Kräutern und Stauden, die sich auf sonnigen 
und warmen vom Menschen unbeeinflußten Standorten zusammenfinden“ 
antreffen. Die Gräser würden lange nicht so im Vordergrund stehen, wie 
das tatsächlich der Fall ist. Nach EICHLER, GRADMANN und MEIGEN 1906 
ist die Stepenheide urwüchsig, wild und durch das Fehlen jeglicher Kultur 
ausgezeichnet — und das trifft für den Kappelberg keinesfalls zu — ganz 
abgesehen davon, daß fast sämtliche Charakterarten der Pflanzengesell- 
schaften (v. all. Geranion sanguinei), in die die „Steppenheide“ aufge- 
gliedert worden ist, fehlen (vgl. TH. MÜLLER 1962). Es handelt sich viel- 
mehr um einen Halbtrockenrasen oder besser: um einen Magerrasen, der, 
wie aus der Vegetationstabelle (Tabelle I) hervorgeht, fast alle üblichen 
Mesobromion-Charakterarten enthält. Bekanntlich sind ja alle Mesobrome- 
ten unseres Gebietes anthropogen, und wahrscheinlich wurde auch der 
Magerrasen des Kappelberges in vergangener Zeit regelmäßig gemäht, da 
einige Pflanzen, die für diese Bewirtschaftungsform typisch sind, recht 
häufig anzutreffen sind. Es handelt sich einesteils um Trockenrasenpflan- 
zen, die gegen eine Beweidung nicht resistent genug wären - so z.B. 
Centaurea scabiosa (Skabiosenflockenblume), Anthyllis vulneria (Wund- 
klee) und Onobrychis viciaefolia (Esparsette) - und andererseits um solche 
Arten, die bereits schon als Vertreter „magerer Fettwiesen“ angesprochen 
werden können wie z. B. Avena pubescens (Flaumhafer), Knautia arvensis 
(Ackerknautie), Dactylis glomerata (Knäuelgras), Salvia pratensis (Wiesen- 
salbei) und Galium mollugo (Wiesenlabkraut). Die erstere Artengruppe be- 
nutzte TH. MÜLLER 1966 als Charakterarten seines Onobrychi-Brometums 
vom Spitzberg bei Tübingen. Die übrigen Arten können als Differential- 
arten dieser Assoziation gelten. Auch auf dem Kappelberg liegt diese 
Assoziation vor — allerdings mit einer wesentlichen Einschränkung: Bromus 
erectus (Aufrechte Trespe), der normalerweise im Onobrychi-Brometum 
mit großen Deckungsgraden (bis 3!) auftritt, wird auf dem Kappelberg von 
Carex humilis (Niedere Segge) stark zurückgedrängt. 
Besonders im Frühjahr, wenn die Gräser und Kräuter noch nicht ent- 
wickelt sind, fällt Carex humilis als beherrschender Aspektbildner auf. Be- 
sonders an flachgründig-steinigen Stellen kann man schön ihre kleinen 
halbkreisförmigen Horste beobachten. Sie gehört pflanzengeographisch 
gesehen zu den Steppenpflanzen des kontinental-submediterranen Berei- 
ches und ist als solche für die oben beschriebenen Klima- und Bodenver- 
hältnisse des Kappelberges charakteristisch. (KReH wies schon 1932 auf die
	        

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