Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

; R. SCHMIDT 
mit je drei Blütenlippen und verlängertem nicht wie sonst üblich gedreh- 
tem Fruchtknoten beobachtet werden. Die Pollinien waren fast ganz ver- 
kümmert und die Blütenlippen nur schwach braun gefärbt. Ob es sich dabei 
um Polyploidie oder andere mutative Veränderungen handelt, oder ob die 
Erscheinung auf die chemischen Einwirkungen der in den umliegenden 
Weinbergen verwendeten Pflanzenschutzmittel (Wuchsstoffe etc.) zurück- 
zuführen ist, konnte nicht geklärt werden. Zwei weitere Orchideen, Plat- 
anthera bifolia (Kuckucksblume) und Gymnadenia conopea (Händelwurz) 
sind ebenfalls erwähnenswert. 
Verglichen mit den Angaben aus der älteren Literatur hat der Kappel- 
berg in den letzten Jahrzehnten einige seiner floristischen Juwelen ver- 
loren. So ist z.B. seit 1958 Ophrys 'apifera (Bienenragwurz) verschollen, 
ebenso konnten auch Orchis militaris (Helmknabenkraut), Laserpitium siler 
(Laserkraut), Peucedanum officinale (Gewöhnlicher Haarstrang) und The- 
sium linophyllon (Echtes Leinblatt) in den letzten Jahren nicht mehr auf- 
gefunden werden. KIRCHNER gab 1888 sogar noch Gymmnadenia odoratis- 
sima (Wohlriechende Händelwurz) und Herminium monorchis (Einknolle) 
auf dem Kappelberg an. Auch -Ophrys fuciflora (Hummelragwurz) kam 
früher einmal vor und ist seit 1927 verschollen. Gentiana verna und G. 
cruciata (Frühlings- und Kreuzenzian) werden schon lange nicht mehr ge- 
funden. Vergleicht man den Zustand, den HuBErR 1935 beschreibt mit dem 
heutigen, so stellt man fest, daß wenigstens zeitweise „Steppenheide- 
pflanzen“ aus dem Geranion-Verband einen größeren Anteil hatten als 
heute. So wurden z. B. vor dem 2. Weltkrieg Geranium sanguineum (Blut- 
storchschnabel), Trifolium rubens (Purpurklee), T. montanum (Bergklee), 
T. alpestre (Hügelklee, auch heute schwach vorhanden), Asperula glauca 
(Grauer Meister), Cynanchum vincetoxicum (Schwalbenwurz) u. a. ange- 
geben. Es kann sich dabei allerdings nur stellenweise um Fragmente der 
„Steppenheide“ gehandelt haben, da KremH 1932 schon von einem Meso- 
brometum mit Tendenz zum Xerobrometum schrieb. Bei zunehmender 
Ausdehnung der Stadt nach dem Krieg sind dann wahrscheinlich die „Step- 
penheidepflanzen“ durch die zunehmende Zahl an Spaziergängern ver- 
drängt worden. 
Die Zwergstrauchheide 
Wesentlich anders ist die Vegetation im Südteil des Banngebietes be- 
schaffen. Auf einem tiefgründigen Zweischichtboden (abgerutschter grober 
und saurer Stubensand auf Mergeln) wächst eine acidiphile Zwergstrauch- 
heide aus dem Verband Calluno-Genistion — aber nur fragmentarisch, da 
sie im Konkurrenzkampf mit der von der Umgebung eindrängenden Trok- 
kenrasenvegetation steht. Zwar würde sie sich bei dem gegebenen Boden 
durchsetzen, aber das kontinentale Lokalklima sorgt für ein Gleichgewicht 
zwischen beiden Komponenten. Dazu kommen auf Grund früherer Be- 
weidung auch noch Arten des Nardo-Galion, also der bodensauren Schaf- 
weiden. Die Gleichgewichtslage der vorliegenden Pflanzengesellschaft 
kommt auch deutlich durch die relativ gleichmäßige Verteilung der Areal- 
gruppen im Arealspektrum (Diagramm Nr. 9) zum Ausdruck. 
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