Full text: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

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Vom Gartenschläfer (Eliomys querecinus) und anderen 
Bilchen in Württemberg 
Von CıAvus Könıc, Ludwigsburg 
Mit 1 Farbtafel * 
Von den vier in Europa heimischen Schläfern kommen drei in Württem- 
berg vor, nämlich der Siebenschläfer (Glis glis), der Gartenschläfer (Elio- 
mys quercinus) und die Haselmaus (Muscardinus avellanarius). Am häufig- 
sten ist der graue Siebenschläfer, der gebietsweise (z. B. im Unterland) in 
manchen Jahren geradezu massenhaft Nistkästen besetzt und Vogelbruten 
vernichtet. Die Naturschutzverordnung von Baden-Württemberg gewährt 
ihm aus diesem Grunde keinen Schutz mehr. Dagegen sind der Garten- 
schläfer und die völlig harmlose, gelbbraune Haselmaus geschützt. 
Der auf der Farbtafel oben abgebildete Gartenschläfer ist in Württem- 
berg hauptsächlich im Schwarzwald verbreitet. Er bewohnt hier in erster 
Linie Nadelwaldungen, die der Siebenschläfer weitgehend meidet. Seine 
Nester baut der Gartenschläfer in Baumhöhlen, Nistkästen, Waldhütten 
und nicht selten in den Moosverkleidungen von Hochsitzen. Auch Ge- 
steinsspalten dienen als Quartiere. Wie der Siebenschläfer plündert auch 
er hin und wieder Vogelnester. Außer im Schwarzwald kommt der Gar- 
tenschläfer im württembergischen Allgäu sowie in den Nadelwäldern der 
Schwäbischen Alb vor, während hier die Laubwälder vom Siebenschläfer 
bewohnt werden. R. VoGEL schrieb 1940 über die Verbreitung des Garten- 
schläfers in Württemberg: „Der Gartenschläfer ist eine mehr west- und 
südeuropäische Art und hat bei uns seine Hauptverbreitung im Schwarz- 
wald; er scheint auch über die ganze Alb und im Albvorland spärlich ver- 
breitet zu sein, ferner im oberen Donautal (Donaueschingen, Fridingen). 
Aus dem württembergischen Allgäu hat unsere Sammlung Belegstücke 
von Ratzenried und der Adelegg. Nach R. von Könıc soll er hier den 
Siebenschläfer vertreten; doch konnte ich dafür keinen neueren Nachweis 
erlangen.“ — Außer in den genannten Gebieten wurden gelegentlich Garten- 
schläfer vereinzelt an anderen Stellen Württembergs nachgewiesen (z. B. 
bei Bietigheim und Oberstenfeld). 
Offensichtlich kommt der Gartenschläfer dort häufiger vor, wo der stär- 
kere Siebenschläfer fehlt oder zumindest selten ist. Da nun dieser Nadel- 
wälder weitgehend meidet, in Laubwäldern aber häufig ist, scheint er den 
schwächeren Gartenschläfer in Nadelwaldungen abzudrängen. Diese Tat- 
sache ist deshalb interessant, weil Eliomys quercinus in Südeuropa sowie 
im Rheinland stark besonntes, steiniges und mit Gebüsch bewachsenes 
Gelände bewohnt. In solchen Biotopen tritt der Siebenschläfer seltener 
* Aus „Wildlebende Säugetiere Europas“. Chr. Belser Verlag, Stuttgart. Gestiftet 
vom Verlag Chr. Belser in Stuttgart.
	        

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