Volltext: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 124, 1969)

Nachrufe 
Paul Morstatt 
Medizinalrat, Naturschützer 
PAUL MoORSsTATT, geboren am 7. Dezember 1882 in der Morstattschen 
Apotheke in Bad Cannstatt, wuchs mit sechs Geschwistern auf. Der Bruder 
HERMANN (geb. 4. Mai 1877, verstorben Berlin 16. Dezember 1958) wurde 
ein bekannter Forscher und Praktiker in Pflanzenschutz und Pflanzen- 
pathologie auch der Tropen (Geisenheim a. Rh., Amani, Biologische Reichs- 
anstalt Berlin; Nachruf über Prof. Dr. HERMANN MOoORSTATT siehe Beitr. 
Entom. 9, 1959, S. 710-712 und Nachr.bl. D. Pflanzenschutz 11, 1959, 
S. 47). PAUL MorsTATT schloß an seine Militärzeit in Heilbronn das Stu- 
dium der Naturwissenschaften in Tübingen an und wechselte dann auf 
Medizin über; einige Semester verbrachte er in Straßburg und Berlin; 
1907 Promotion mit einer psychiatrischen Arbeit (Korsakowscher Symptom- 
komplex) in Tübingen. Einer Tätigkeit als Schiffsarzt (bis Duala und Nord- 
amerika 1911/12) folgte eine Facharztanstellung in Psychiatrie bei Pro- 
fessor SOMMER in Gießen und ab 1913 in der Heilanstalt Winnental. Hier 
war MOorRsTATT mit Unterbrechung durch den Kriegsdienst 15 Jahre tätig. 
1928 bis 1948 wirkt er als Arzt am Psychiatrischen Landeskrankenhaus 
Schussenried. Der Beruf befriedigte ihn sehr, doch fand er noch immer 
Zeit für vielseitige Interessen auf recht verschiedenen Gebieten. Sein 
Klavierspiel fügte sich gut in seine Berufsaufgaben, da er den Kranken 
damit manche Wohltat bereiten konnte. Die Botanik war schon vom 
Elternhaus her eine geliebte Wissenschaft. Auch die Geologie und die 
Probleme der Landschaft beschäftigten MorsTATT lebhaft. Er fühlte sich 
vor allem immer wieder aufgerufen, für Naturverständnis und Natur- 
kunde zu werben, und in diesem. Sinn betätigte er sich in einer Reihe ent- 
sprechender Vereine und so auch bei uns. Regelmäßig besuchte er unsere 
Vorträge, bis das Fortschreiten der Jahre ihm die Zureise aus Winnenden, 
wo er den Ruhestand verbrachte, verbot. Er war häufig Gast in Schloß 
Rosenstein und brachte immer wieder Anliegen von Naturschutz und Land- 
schaftspflege vor — denn er gehörte zu denen, die einfach nicht damit fertig 
werden können, daß oft genug Unverstand und Naturferne regieren und 
die Verantwortung gegenüber künftigen Geschlechtern nicht richtig ge- 
sehen wird. Wieder und wieder trat MORrsTATT als Warner auf, gewiß 
nicht bequem für manche, die diese Gesinnung nicht teilen. Man möchte 
wünschen, daß es mehr solche aktiven Naturkenner und Naturfreunde gäbe! 
In diesem Sinne werden viele den verdienten Mann in dankbarer Erinne- 
rung behalten. E. ScHÜz 
Franz Pfützenreiter 
Museumsdirektor, Naturschutzbeauftragter und Vorgeschichtler 
Dr. FRANZ PFÜTZENREITER wurde am 30. Juni 1888 in Bernterode im 
Eichsfeld geboren. Er durchlief die Lehrerbildungsanstalt in Schneidemühl, 
Jahreshefte d. Gesellschaft f. Naturkunde i. Württ. 1969 
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