; E. KUHN-SCHNYDER
schaften und Medizin in Zürich, erkannte, daß diese Versteinerung von
keinem Menschen herrührten. Er schrieb sie einem Welse zu. Wie CUvIErR
nachwies, handelt es sich jedoch um den Rest eines Riesensalamanders.
Zu Ehren seines Entdeckers erhielt er den Namen Andrias scheuchzeri
(HoıLL). Wie konnte SCHEUCHZER, der als Mediziner ja selber Anatomie
getrieben hatte, ein solcher Irrtum unterlaufen? Es war kein Zufall. Ihm
fehlte die Untersuchungsmethode, die von CUuvıER angewandte vergleichende
Anatomie. „Au lieu de le chercher par une comparaison directe,
on aura employe la voie de raisonnement“, bemerkt Cuvıer.
Was die Arbeit des Paläontologen erschwert, ist die Tatsache, daß zusammenhängende
fossile Skelette nicht häufig vorkommen. In vielen
Fällen liegt ein buntes Gemisch unvollständiger und zerbrochener Knochen,
oft nur isolierte Zähne, von den verschiedensten Arten vor. Dank
CuvıEers Prinzip der Korrelationen der Teile eines Organismus 3% wird man
in vielen Fällen dieser Schwierigkeiten Herr. Berühmt ist die Geschichte
der Entdeckung eines Beuteltieres im Gips von Montmartre, die CUvIER
selbst erzählt. Das Studium des Gebisses eines fossilen Restes zeigte eine
völlige Übereinstimmung mit den Beutelratten und Beutelmardern. Er
zweifelte deshalb nicht, daß das noch nicht auspräparierte Becken die
charakteristischen Beutelknochen tragen würde. In Anwesenheit einiger
Freunde ließ er es auspräparieren und die von ihm angekündigten Beutelknochen
kamen tatsächlich zum Vorschein. Die vergangene Tierwelt, die
CuvIıEr mit seinem Scharfsinn zu neuem Leben erweckte, beeindruckte die
Mitwelt tief 37,
Die paläontologischen Beobachtungen CuvıErs waren:
1. Es gibt ausgestorbene Arten 38,
2. In der Erdgeschichte läßt sich eine Folge von Faunen feststellen, die
voneinander verschieden sind.
3. Die aufeinanderfolgenden Faunen zeigen eine zunehmende Organisationshöhe
39,
Jede geologische Zeit besitzt also ihre besondere Tierwelt und damit ihre
charakteristischen Versteinerungen. Diese ermöglichen eine Bestimmung
des relativen Alters der Fundschichten. Vor Cuvırer hatte dies schon der
Engländer WıLLIAM SMITH “9 erkannt, ein Autodidakt von ungewöhnlichem
Scharfsinn, der „Vater der englischen Geologie“.
Die Schlüsse, die CUvIER aus seinen Beobachtungen zog, lauten:
1. Das Erlöschen der Faunen ist die Folge von Katastrophen.
2. Die neuen Faunen sind nicht an Ort und Stelle entstanden, sondern sie
kamen aus fernen Gegenden.
3. Die Arten sind unveränderlich *1,
Mit dieser Katastrophentheorie setzte sich CuvıerR in Widerspruch zu
den Anschauungen Burrons und J. HurTTons *, Den Todesstoß versetzte
ihr der englische Geologe CHARLES LYELL %, welcher der Ansicht, daß in
der Vergangenheit der Erde die gleichen Vorgänge und die gleichen Gesetze
herrschten wie heute, zum Durchbruch verhalf. E. GEOFFRoY SAINT-HILAIRE
hatte recht, wenn er betonte, daß „les temps d’un savoir veritable
en paleontologie ne sont pas encore venus. Ils viendront“. Bleiben wir im
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