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E. KUHN-SCHNYDER
man annimmt, daß es nichts anderes darstellt, als KıeELMEYERS Vorlesung, bereichert
durch Literaturangaben und Zitate. (Nach H. Bauıss, 1930, S. 268—273.)
Der Kreis der Ideen KıELMEYERS war weitgespannt. Die Funktionen des Organismus
soll eine „dominierende“ Kraft regeln, „die man Lebenskraft nennen
kann (um doch einen Namen zu haben)“. Eine Urzeugung lehnt er ab, das
organische Reich muß so ewig angenommen werden, wie die Seele der Natur
selbst. „Der organische Körper durchgeht während seiner Entwicklung die
permanente Reihe der Organismen, und umgekehrt muß man die permanente
Reihe der organischen Körper an der Entwicklungsgeschichte der einzelnen
Organismen studieren.“ In der Reihenfolge der Entwicklung seien zuerst einfachere,
später zusammengesetzte Lebewesen aufgetreten, Pflanzen vor Tieren,
erst Meeresbewohner, dann Landorganismen. In der Gegenwart entstehen keine
neuen Arten mehr, vielleicht weil „jetzt die ursprünglich, organisierende Kraft
unserer Erde erschöpft ist“. Viele Gattungen und Arten sind ausgestorben. Das
Aussterben ist die Folge entweder äußerer (Veränderungen der Erdoberfläche)
oder innerer Ursachen (die im Organismus selber liegen). KIELMEYER trat für
einen Transformismus ein: „Es scheint daher, daß die Reihe der einzelnen
organischen Arten auf unserer Erde auseinander hervorgegangen sei, und daß
diese verschiedenen Arten von Organismen in einer wirklichen Form- und
Kompositionsbeziehung zueinander stehen, eben wegen ihrer Entwicklung auseinander.
Die Ähnlichkeiten der Arten untereinander und ihre Verschiedenheit
scheint in dem Ursprung gleichsam von einem gemeinschaftlichen Vater gegründet
zu sein.“ KIELMEYER war einer der ersten Vertreter der Naturphilosophie,
deren Ideen die Empirie anfänglich nicht zu verfolgen vermochte. (Siehe
C. Cu. BERINGER, 1954, S. 68/69.)
>; Mit den ehemaligen Mitschülern C. M. PrarrF (später Staatsrat des Königs von
Dänemark und Professor an der Universität Kiel) und HArTMAnn (später Arzt
in Württemberg) sowie mit C. H. KIELMEYER stand er in brieflicher Verbindung.
Die Briefe Cuvıers an PrarrF sind von Dr. W. F. G. BEHN 1845 veröffentlicht und
von L. MARCHANT (1858) ins Französische übersetzt worden. Einzelne Briefe
Cuvıers finden sich ferner bei Mistress LEE (1833) und bei G. L. DUvERNOY
(1833). Weitere Angaben über den Briefwechsel Cuvıers finden sich bei L.
MARCHANT (1858, S. 9/10) sowie bei H. BaAıss (1930, S. 270, 271, 286) und sodann
vor allem bei W. CoLEMAN (1964, S. 192, 196) und J. VıEnorT (1932).
Die Briefe an PrarrF sind beredte Zeugnisse von CuvıErs zoologischen Untersuchungen
sowie seines Strebens nach Wissen auf dem Gesamtgebiet der
Naturwissenschaften.
Die Ideen seiner Prinzipien zur Reform der zoologischen Systematik keimten
während seines Aufenthaltes in der Normandie. Ich entnehme zwei Briefen
Cuvıers an HArTMann, deutsch geschrieben und von G. L. DuvErnoy (1833)
französisch wiedergegeben, folgende Stellen.
Aus dem Brief vom 18. November 1790:
„Depuis la mort de Linne, l’histoire naturelle n’a plus de legislateur. Chacun
suit son caprice; et si cette anarchie dure encore long-temps, la science
deviendra bientöt un labyrinthe, dont on ne pourra sortir“ (G. L. DUvERNOY,
1833, S. 121).
In dem Brief vom 18. Mai 1791 beschäftigt sich Cuvıer u.a. auch mit dem
Problem wichtiger Merkmale für eine natürliche Systematik der Käfer und
weist dabei auf die Bedeutung ihrer Mundwerkzeuge hin.
„Je pourrais ainsi vous demontrer l’identite de la mächoire inferieure dans tous
les coleopteres carnassiers (carabus, scarites, elaphrus, cicindela), et vous indiquer
en m6eme temps des differences dans la levre inferieure, suivant les