Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 125, 1970)

' B. HALLER und S. WINKLER
Lentaria mucida (GEITLER 1955) und Clavulinopsis septentrionalis (PoELT
1959) bekannt ist.
In der Literatur wird von dieser Flechte angegeben, daß sie entweder mit
verschiedenen Cyanophyceen, z. B. Gloeocapsa, Oscillatoria u. a. (COKER
1923); mit Coccomyxa oder ohne Algen als Pilz auftritt (PoELT 1969).
Da die systematische Einordnung der Algen dieser Flechtenspezies bisher
nicht nach experimentellen, sondern lediglich nach morphologischen und
anatomischen Gesichtspunkten vorgenommen worden war, stellte sich nach
dem bisher Gesagten die Aufgabe, Reinkulturen aus zweierlei Gründen anzulegen:
 Einmal ist eine sichere Determination der Grünalge nur mit Reinkulturen
 auf verschiedenen Kulturmedien möglich. Zum zweiten kann man
prüfen, ob eine Reinkultur des Basidiomvceten möglich ist, wodurch nachträglich
 durch Wiedervereinigung der beiden Partner eine Flechtensynthese
möglich wäre, die einen Einblick in die physiologischen und morphologischen
 Zusammenhänge der beiden Komponenten erlauben würde. Reinkulturen
 der Algen wurden an Spezialisten zur sicheren Bestimmung verschickt.
 Wir möchten Herrn Prof. Dr. B. ForTT aus Prag für die Bemühungen
um die Determination an dieser Stelle bestens danken.
Wir haben bislang Begriffe wie Basidiolichene, Flechte, Pilz und Alge
verwendet, ohne sie näher zu definieren. Es erscheint uns aber nach dem
Literaturstudium (AHMADJIAN 1959, 1962; CirEerrı und TOoMASELLI 1953,
1954; SANTESSON 1954; MaATTICK 1951, 1953; PALM 1932) unumgänglich,
eine weitgehende Begriffsklärung zu schaffen, um Mißverständnisse und
relative Begriffe wie „Halbflechte“, „lockere oder partielle Lichenisierung“
etc. auszuschalten.
Experimenteller Teil
a) Medien: Definiertes Nährsalzmedium (analysenreine Substanzen der Fa.
E. Merck AG, Darmstadt): NH,NOs: 0,2 g; CaCl, anhydr.: 0,1 g; KH,PO-,: 0,1 g;
MgSO,:7H,O: 0,1 g; FeC1,:6H,O: 0,005 g; aqua dest.: 1 1. Für feste Medien
werden 20 g/1 Agar-Agar (Merck) zugefügt. Dieses Medium (Medium 1) diente
zur Anreicherung und Isolierung der Alge!,
Malzextrakt-Hefeextrakt-Medium: Malzextrakt (Löflunds): 10 g; Hefeextrakt
(Difco): 4 g; Glukose (Dextropur): 4 g; Agar-Agar (Merck): 20 g; aqua dest.: 1 1.
Dieses Komplexmedium diente zur Überprüfung der Kulturen auf Reinheit sowie
zur Untersuchung der Alge (Medium 2).
b) Isolierung der Alge: Kleine Stückchen des Flechtenthallus wurden auf einem
Objektträger mit Hilfe eines Deckglases gequetscht, so daß die Algen aus dem
Verband gelöst wurden. Die kleinsten Algenpakete wurden unter dem Stereomikroskop
 in eine Glaskapillare aufgenommen und in steriles flüssiges Nährsalzmedium
 (Medium 1) gebracht (50-ml-Erlenmeyerkolben mit je 20 ml Medium).
Die Kulturen wurden in Konstanträumen bei 20° C (tags) und 15° C (nachts) ge-1
 Diese Nährlösung oder leicht abgewandelte Medien werden häufig als „Benecke-Nährlösung“
 bezeichnet. Derartige Bezeichnungen führen zu Unklarheiten
und Mißverständnissen, da es ganz verschiedene solcher „Benecke-Nährlösungen“
gibt, insbesondere deshalb, weil in der ursprünglichen Literatur gar keine Formeln
bzw. keine Angaben über Kristallwasser gegeben sind. Deshalb sollten derartige
Bezeichnungen nicht verwendet werden (s. dazu BoLD, 1942, p. 78 und 111).

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