Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 127, 1972)

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Gehört Nebria dahli Duftschmid (Coleoptera,
Carabidae) zur württembergischen Fauna?

Von KArRL-Ernst LAUTERBACH, Tübingen

Schon im ältesten württembergischen Käferverzeichnis (v. RoseEr 1838)
wird der Laufkäfer N. dahli ohne nähere Angaben für Württemberg gemeldet.
 In seinem „Verzeichnis der bisher in Württemberg aufgefundenen
Coleopteren“ wiederholte KELLER (1864) diese Angabe, versah sie mit
zwei Sternchen und brachte damit zum Ausdruck, daß es sich um eine
zwar seltene, doch auch von ihm selbst wieder aufgefundene Art handelte,
Im jüngsten und umfassendsten Verzeichnis der württembergischen Käfer
konnte v. D. TRAPPEN (1929) nur auf die vorgenannten alten Angaben
verweisen und vermuten, daß N. dahli ebenso wie N. hellwigi PANZER am
Ufer der Iller gefunden worden sei. N. hellwigi wurde von KELLER nur im
Anschluß an v. Rosger zitiert, von ihm selbst jedoch nicht erneut nachgewiesen.
 Horıon (1959) streicht diese hochalpine, sonst nur aus den Ostalpen
 bekannte Art sicher zurecht als faunistisch unmöglich aus der württembergischen
 Fauna. Die Annahme v. D. TRAPPENS, daß KELLERS und
v. Rosers Exemplare von N. dahli und N. hellwigi vom Ufer der Iller stammen
 dürften, stellt eine völlig unbelegte Vermutung dar, die wohl darauf
zurückgeht, daß er sich von diesen alpinen Arten nur vorstellen konnte,
daß sie mit dem Hochwasser der Iller aus den Allgäuer Alpen herabgeschwemmt
 worden seien. Diese Vermutung wurde zweifellos durch KEL-LERS
 Fund von N. livida L. am Ufer der Iller bei Ulm angeregt.
Diese alten Angaben von N. dahli für Württemberg wurden von SCHIL-SKY
 (1888, 1909) unkritisch in sein „Systematisches Verzeichnis der Käfer
Deutschlands“ aufgenommen. Daraufhin wurden wohl erstmals von REIT-TER
 (1908) Zweifel an dieser Angabe für Württemberg geäußert. Erst Ho-RION
 (1935, 1941) machte dann wieder darauf aufmerksam, daß das Auftreten
 von N. dahli in Württemberg sehr unwahrscheinlich sei, da es sich
neben dem Hauptareal der Art um ein völlig abgelegenes und isoliertes
Vorkommen handeln würde. Später (Horion 1959) streicht er die Art als
faunistisch unmöglich aus der württembergischen Faunenliste. Bei dem
völligen Mangel an alten Belegen und Neufunden aus Württemberg, sowie
angesichts des heute bekannten gesicherten Verbreitungsgebietes von N.
dahli ist dieses Vorgehen durchaus verständlich. Immerhin ist es jedoch
auffällig, daß KELLER die alte Angabe v, Rosers auf Grund eigener Funde
bestätigen konnte. Im Hinblick auf die sehr wenigen sonst aus Württemberg
 bekannten Vertreter der Gattung Nebria, die zudem von N. dahli
habituell recht deutlich verschieden sind, erscheint hier bei der Ablehnung
der alten Angaben doch große Vorsicht geboten.

‚;h. Ges. Naturkde. Württ. 127 (1972)
            
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