III. Nachrufe
Wilhelm Haug
Oberforstrat a. D.
Kurz vor Vollendung seines 95. Lebensjahres ist WiLHELM HAuc am 27.
Dezember 1972 gestorben. Er wurde am 1. Februar 1878 als Sohn des
Pfarrers FRIEDRICH HAUG in Gröningen bei Crailsheim geboren, hat dort
die Volksschule besucht, später die Lateinschule in Crailsheim und anschließend
die ev.-theol. Seminare Schöntal und Urach. Nach dem Studium
der Forstwissenschaft und unständiger Verwendung in der württ,
Staatsforstverwaltung hat er seine erste ständige Anstellung als Kgl.
Württ. Forstamtmann — so lautete damals der volle Titel — in Calmbach
und später in Hohengehren gefunden. Nach dem Ende des 1. Weltkriegs
war er Forstmeister in Wildberg und Weilheim a.d. Teck und zuletzt
Amtsvorstand des Forstamts Wiblingen in Ulm. Nach seiner Pensionierung,
die infolge der Nachkriegsverhältnisse erst mit seinem 71. Geburtstag
erfolgte, hat er weiterhin in Ulm gelebt und seinen Lebensabend zusammen
mit seiner Lebensgefährtin im Henriettenstift in Kirchheim unter
Teck verbracht.
Christlicher Glaube, Bescheidenheit und äußerste Pflichterfüllung waren
die Leitlinien seines Lebens. Gedanken oder Handlungen, die damit
unvereinbar waren, lehnte er als gefestigte Persönlichkeit ohne Rücksicht
auf Nachteile rundweg ab. Wer ihn kennenlernen wollte, mußte allerdings
mit ihm allein oder nur in kleinem Kreise zusammen sein. Große Gesellschaften
hat er nicht geschätzt und von sich selbst nie viel Aufhebens gemacht.
Im persönlichen wie im beruflichen Leben war er von spartanischer
Genügsamkeit. Der Abmarsch in den Wald erfolgte meist in den frühen
Morgenstunden, die Rückkehr gegen Abend und hernach haben sich seine
schriftlichen Arbeiten bis tief in die Nacht hinein ausgedehnt. Und wenig
Verständnis hat er dafür aufgebracht, wenn an Lebensjahren weit jüngere
diese Strapazen nicht in aller Selbstverständlichkeit mitmachen konnten.
Solche ausgeprägten Eigenheiten haben ihm selbst und andern den Umgang
mit ihm nicht immer leicht gemacht. Wer aber sein Vertrauen gewonnen
hatte, dem hat er sich ganz eröffnet.
Ein gütiges Schicksal hat es ihm vergönnt, sein reichhaltiges Wissen bis
ins hohe Alter hinein bewahren zu können. Er hat sich in seiner Seminarzeit
eine gründliche Kenntnis der Geschichte, des Altertums und der alten
Sprachen angeeignet, in englisch und französisch hat er sich selbst später
Jh. Ges, Naturkde. Württ. 128 (1973)
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