Volltext: Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 131, 1976)

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Abhandlungen 
Die Äußere Jungendmoräne bei Bad Waldsee 
und das Riedtal 
Von RÜDIGER GERMAN, Tübingen, und MATTHIAS MADER, Kirchheim u. T., 
Mit 2 Abbildungen 
Zusammenfassung 
Eine Sedimentkartierung im Bereich des würmeiszeitlichen Maximalvor- 
stoßes östlich von Bad Waldsee ergab wesentliche neue Gesichtspunkte 
über die Entstehung des Walles der dortigen Äußeren Jungendmoräne 
und den lokalen Ablauf des Hoch- und Spätglazials. Demnach ist die Äu- 
ßere Jungendmoräne (ÄJE) nicht nur eine sehr komplex zusammengesetzte 
Bildung aus Moränen und Schmelzwassersedimenten, sondern es lassen 
sich auch Unterschiede in der Bildungszeit nachweisen. Entsprechend ist 
das Riedtal nicht einheitlicher, geschlossener Entstehung, sondern stellt 
den Endzustand nach einer Reihe verschiedener, hintereinander erfolgter 
Aufschüttungen mehrerer Eiszungen dar. Im Zuge dieser mehrgliedrigen 
Akkumulation zwischen Haisterkircher Rücken und Hochgelände im Osten 
einerseits und den glazialen Bildungen im Westen andererseits wurden 
die jungen eiszeitlichen Bildungen durch Seitenerosion der Schmelzwässer 
späterer Stadien teilweise wieder vernichtet. Im Gegensatz zur bisherigen 
Ansicht stellt daher die Grenze ÄJE-Riedtal östlich von Bad Waldsee in 
teilweisem Gegensatz zu den nördlich anschließenden Teilen nicht den 
ursprünglichen hochglazialen Rand glazigener Moränen gegen glaziflu- 
viale Schmelzwasserablagerungen dar, sondern ist erst durch Erosions- und 
Umlagerungsprozesse im späten Hoch- und frühen Spätglazial entstanden. 
Damit ist der geomorphologisch bisher so geschlossen erscheinende Wall 
der ÄJE in diesem Bereich nicht zeitgleicher Entstehung. Ferner hat die 
Waldseer Eiszunge das Riedtal bei Mühlhausen während der Maximallage 
der Würmeiszeit abgesperrt. Ihre Schmelzwässer verursachten die würm- 
eiszeitlichen Aufschüttungen im Umlachtal. Die Bildungen dieser Wald- 
seer Eiszunge wurden in diesem Zusammenhang von der Maximallage ins 
Hinterland bis nach Bad Waldsee verfolgt. Damit steht das Vorkommen 
der seit WEIDENBACH (1936) bekannten umfangreichen Deltabildungen im 
Stadtgebiet von Bad Waldsee nicht mehr isoliert da, sondern kann im 
Zuge der Erdgeschichte des Spätglazials und der Wirkung dieser Eiszunge 
begründet eingebaut werden. 
Dies zeigt wieder einmal, daß Quartärforschung in ehemals von Eis be- 
deckten Gebieten mit Hilfe der Kartierung von Sediment-Typen (GERMAN 
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 131 (1976)
	        

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