RÜDIGER GERMAN und MATTHIAS MADER
1970, 1973; BRAUN, GERMAN u. MADER 1976) unter Berücksichtigung der
Feinmorphologie und Flußgeschichte (GERMAN 1958) entscheidende Fortschritte
bringt. Das zunächst nur schwer entwirrbar erscheinende Gewirr
relativ kleinräumiger Formen kann dadurch nicht nur sedimentologisch
kartiert, sondern auch erdgeschichtlich klar und sehr differenziert gegliedert
werden.
1. Einleitung
Im Rahmen der Kieskartierung der ehemaligen Planungsgemeinschaft
östlicher Bodensee-Allgäu (Leiter: Prof. Dr. GERMAN) machte H. Houwuz-MANN
im Jahr 1970 erstmals auf eine besondere Erscheinung aufmerksam:
Unmittelbar am Außenrand des äußersten Würmwalles, der ÄJE, lagen
mehrere Meter mächtige gut geschichtete feinkörnige Schmelzwasser-Sedimente.
Diese gehörten gemäß unserer damals entwickelten Ansprache nach
Sediment-Typen (GERMAN 1970) in die Abschmelzphase des Eises. Solche
Vorkommen „paßten‘“ weder in die bekannten Verhältnisse der Schmelzwasserarbeit
am maximalen Eisrand, noch in einen Moränenwall. In den
folgenden Jahren sammelte M. MADErR bei Geländearbeiten in der Gegend
östlich von Bad Waldsee weitere ähnliche Beispiele. Danach konnte
es sich bei diesen Bildungen nicht mehr um Zufälle handeln, so daß diesen
Erscheinungen systematisch nachgegangen werden mußte. Durch Anwendung
unserer in der Zwischenzeit weiter entwickelten sedimentologischen
Methoden (GERMAN 1973 und BRAUN, GERMAN u. MADER 1976) und
mit Hilfe der bekannten feinmorphologischen und flußgeschichtlichen Gesichtspunkte
(GERMAN 1958) entstand ein neues Bild der Landschaftsgeschichte
in der Umgebung von Bad Waldsee. Dies war um so erstaunlicher,
als das Gebiet von WEIDENBACH (1936 und 1937) geologisch spezialkartiert
wurde und, wie H. GrRAuL auf der Deuqua 1968 in Biberach ausführte,
damals als ein Musterbeispiel für übersichtliche geomorphologische Darstellung
glazialer Landschaften galt.
Der Wall der ÄJE wurde bisher in ganz Oberschwaben als eine gleichzeitige,
geschlossene und mächtige Bildung angesehen. In WEIDENBACH
(1986, 20 und in 1937, 16) und in der zugehörigen Kartendarstellung wird
sie als ein „oft mehr als 1 km breiter Wall“ angegeben. Eine gewisse Differenzierung
wurde zwar schon erkannt, denn es heißt in WEIDENBACH
(1936, 21 bzw. 1937, 17): „Es ist nun bemerkenswert, daß der Wall, so
geschlossen er auch erscheinen mag, keine Einheit darstellt, sondern vielmehr
aus mehreren Einzelwällen besteht, die allerdings meist so eng aneinanderliegen
und häufig ineinander übergehen, daß es nicht möglich
war, diese Erscheinungen auf der Karte (überall) festzuhalten“. Eine feinmorphologische
Bearbeitung des Abschnitts der ÄJE zwischen Federseebecken
und Unteressendorf, also für die Stirn der Schussenzunge, erfolgte
in GERMAN (1958). In vorliegender Arbeit wird der anschließende Teil
zwischen Unteressendorf und dem Rand des Wurzacher Beckens dargestellt,
der durch M. MADER im Gelände aufgenommen wurde.
An der Stirn des Schussenlobus zwischen Federseebecken und Unteressendorf
sind hochglaziale Verhältnisse mit Randmoräne, Sander und Glet-Jh.
Ges. Naturkde. Württ. 131 (1976)
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