WALTER CARLE
Wir hatten gesagt, daß diese staatlichen Einrichtungen, aber auch andere
geologische Gremien bei vielen Objekten beratend tätig sind. Erfreut
kann man hinzufügen, daß die Mitarbeit der Geologen bei vielen
Planungen gesucht wird. Aber es ist festzustellen, daß der Geologe nicht
selten zu spät hinzugezogen wird, nämlich dann, wenn die Grundkomposition
der Planung bereits weitgehend zementiert ist, etwa durch Grundstückskäufe
oder durch eine bereits vorliegende große Arbeitsleistung sowie
durch politische Versprechen, Der Geologe wird auch oft beigezogen
bei Schwierigkeiten, die er hätte vorhersagen können.
Hier setzen die Überlegungen des Vizepräsidenten der Bundesanstalt
für Geowissenschaften und Rohstoffe, Prof. Dr. Gero LürriG ein. Wir
wollen sie hier behandeln, soweit sie inländische Belange betreffen. Da
die Geowissenschaften zusammen mit Klimatologie und Biologie als Basis
der Regionalplanung anzusehen sind, müssen von ihnen die Anstöße für
Planungen jeglicher Größenordnung ausgehen. Die meisten der heutigen
Planungen rücken die ökonomischen und technischen Gesichtspunkte in
den Vordergrund; diese stellen sich den Planern so gewichtig dar, daß sie
die absolute Basisfunktion des Naturpotentials oft unterdrücken oder zumindest
in eine Nebenrolle verweisen. Nicht selten handeln Planer so, als
gäbe es unbegrenzten Raum und unerschöpfliche Reserven. Ein anderer
Fehler ist, wenn Naturraum sinnlos verschwendet wird, wenn die Prioritäten
falsch, nämlich naturwidrig gesetzt werden. Hier muß in nächster
Zukunft dadurch eine Änderung geschaffen werden, daß die Geowissenschaften
Großübersichten über die regionalen Naturpotentiale herstellten,
die der Nichtfachmann ohne Mühe lesen kann.
GEerD LüTTIG und Mitarbeiter haben eine Karte des Naturraumpotentials
im nördlichen Niedersachsen aufgrund von vier Basiskarten hergestellt
(LÜTTIG u. PFEIFFER 1974). Diese Karten wurden für den vorliegenden
Beitrag in verkleinertem Schnitt und in manchem Bereich stark generalisiert:
umgezeichnet. Der Inhalt der vier Basiskarten wird knapp beschrieben
und danach aufgezeigt, wie aus ihnen eine Karte des Naturraumpotentials
entsteht (Abb. 5). In den Text werden Hinweise auf baden-württembergische
Verhältnisse eingefügt.
Bodenkarte (Abb. 1)
Die mit der Bodenkarte kombinierten klimatologischen Gegebenheiten
wurden der Einfachheit halber weggelassen. Böden mit höchster natürlicher
Produktivität, vorwiegend Marsch- und Lößböden, aber auch Teile
der Geest und mergelige Altmoränen-Böden im Binnenland müssen von
schädigenden Einflüssen und intensiver Bebauung freigehalten werden.
Wie schwierig dies aber in Ballungsgebieten durchzuführen ist, zeigt in
unserem Lande das Problem um die stark wachsenden Filder-Gemeinden
und den Stuttgarter Flughafen, der auf höchstbewerteten Böden liegt,
aber infolge Stadtnähe und weitgehender Nebelfreiheit nicht mehr aufgegeben
werden kann. Bestimmend sind auf der Karte auch die Moorgebiete,
welche die in Küstennähe als GCeest bezeichneten Moränenböden mit
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 132 (1977)