Kleine Mitteilungen
Ein Fund des Schneckenkankers Ischyropsalis hellwigi
Panzer bei Tübingen (Opiliones, Ischyropsalidae)
Von MARTIN BAEHR, Tübingen
Der in Habitus und Biologie recht ungewöhnliche Schneckenkanker
Ischyropsalis hellwigi gilt als ein sehr seltenes und nur sporadisch in Einzelstücken
aufzufindendes Element unserer Fauna. MARTENS (1965, 1969)
gibt in seinen ausführlichen Monographien für die Zeit vor 1950 aus Mitteleuropa
nur wenige Fundorte an: Elm bei Braunschweig (Originalfundort
des Typusexemplars), Münsterland, Taunus, Rheinisches Schiefergebirge,
Spessart, Odenwald, Erzgebirge. An allen Fundorten wurde die Art
nur in wenigen Exemplaren gesammelt. Seither sind für Deutschland
nördlich der Alpen eine Reihe neuer Fundorte bekannt geworden (WEHR-MAKER
1977 für ausführliche Nennung der Funde), darunter der Nordschwarzwald
(Herrenalb) und die Stuttgarter Gegend (Schurwald). Die
Seltenheit der Art wird auch durch das Fehlen in den Listen gut bearbeiteter
Gebiete, wie Spitzberg bei Tübingen (HArRms 1966) und Wutachschlucht
(v. HELVERSEN und MARTENS 1971), belegt. Zusammen mit den
beiden neueren Nachweisen aus Baden-Württemberg (Nordschwarzwald
und Schurwald) trägt der Fund bei Tübingen jedoch zur Schließung der
vermuteten Verbreitungslücke des Schneckenkankers in Südwestdeutschland
nördlich der Alpen bei.
Der hier beschriebene neue Fund gelang im Kirnbachtal, einem Seitental
des Goldersbaches im Schönbuch nördlich von Tübingen, im Rahmen einer
Aufsammlung von Bodeninsekten mit formalinbeschickten Barberfallen.
Die Fundstelle befindet sich in einem tief eingeschnittenen, WNW verlaufenden
Seitentälchen des Kirnbaches auf dem nach Nordost geneigten
Hang in 375 m Höhe, ungefähr zwei km nordöstlich der Einmündung des
Kirnbaches in den Goldersbach. Das Fallenfeld war in einer kleinen Fichtenschonung
mit moosreichem Untergrund gelegen. An dieser Stelle steht
Stubensandstein (Mittlerer Keuper) an, aus dem sich infolge der Hangneigung
einzelne Brocken gelöst haben und dem Boden frei aufliegen.
Das Klima des ziemlich engen und steilen Kirnbachtales und seiner tief
eingeschnittenen Seitentälchen kann als besonders feucht und kühl bezeichnet
werden. Auch die Lichtverhältnisse sind an der Fundstelle sehr
ungünstig (Nordosthang, Lage in einer Schonung).
Als Funddatum muß der 2. 8. 1978 angegeben werden. Da die Fallen
am 26. 6. 1978 zuletzt geleert worden waren, kann eine genauere Datumsangabe
nicht gemacht werden. Das Exemplar ist ein mit knapp 9 mm
Körperlänge und 11mm messenden Cheliceren voll ausgewachsenes und
auch voll ausgefärbtes &.
MARTENS (1965) gibt zur Okologie dieser Art an, daß sie auf ein Mikroklima
mit ständig gleichbleibender niedriger Temperatur und gleichzeitig
hoher Luftfeuchtigkeit angewiesen sei. Dies, so die Überlegung von
MARTENS, und WEHRMAKER (1977) folgt ihm darin, sei besonders unter gefallenem
und morschem Holz gegeben. Die von WEHRMAKER behauptete
deutliche Zunahme der Populationsdichte des Schneckenkankers in den
Jh. Ges. Naturkde, Württ. 134 (1979)
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