Das deutsche Erdöl und Erdgas
nicht erreicht ist. Das gilt besonders für den außeralpinen tertiären Bekkenteil.
Die Olgenerierung ist daher zum großen Teil auf den subalpinen
Bereich und die autochtonen Sedimente unter den überschobenen nördlichen
Alpen beschränkt. Die Füllung der bisher erschlossenen Erdöllagerstätten
an der Tertiärbasis setzt damit relativ lange Migrationswege aus
den sehr tiefen Beckenteilen voraus und vollzieht sich über mehrere weitaushaltende
Fangstörungssysteme hinweg. Ein weiterer ungünstiger Umstand
ist, daß das Becken nach Norden zu offen ist, was wohl zur Ausspülung
früherer Lagerstätten, vor allem von tertiären und mesozoischen
Speichern durch eindringende Oberflächenwasser geführt haben mag (12).
Günstiger sieht die Bilanz beim Erdgas aus, wie die Tabelle 7 zeigt. Die
zukünftigen Gasreserven werden vorwiegend in Speichern des Prätertiärs
erwartet, insbesondere in den bisher wenig erforschten Räumen der Vortiefe
unter dem überschobenen Alpenkörper. Seismik und Technologie stehen
hier vor zum Teil noch ungelösten Problemen. Hier könnten aber sehr
wohl die besten Möglichkeiten für die zukünftige Arbeit liegen. Die genannten
Zahlen bewegen sich in Dimensionen, die wesentlich kleiner sind
als die Vorkommen in Nordwestdeutschland. Dennoch sind diese Vorkommen
für die süddeutsche Energieversorgung von großer Bedeutung.
4. Der Vorstoß in tiefere geologische Stockwerke
Wenn man die Entwicklung der Erdöl- und Erdgasexploration in den
vergangenen Jahren rückblickend überschaut, so darf man feststellen, daß
die deutsche Erdölindustrie einen von starker Initiative bestimmten langen
und kostspieligen Weg ging, der trotz mancher Schwierigkeiten auf wissenschaftlichem,
technischem und wirtschaftlichem Gebiet konsequent fortgesetzt
worden ist. Auf dem Erdölsektor ist infolge der Begrenztheit der
höffigen Räume und der Kompliziertheit der Tektonik der Kulminationspunkt
der Exploration bereits weitgehend überschritten worden. Anders
beim Erdgas. In den Erdgasfeldern der Bundesrepublik liegen noch gewinnbare
Reserven von knapp 300 Mrd. m*. Da vorgesehen ist, jährlich
18—20 Mrd. m* Erdgas zu fördern, wären die genannten Vorräte bei
Ausbleiben weiterer Neuentdeckungen noch vor dem Jahre 2000 erschöpft.
Es ist jedoch gezeigt worden, daß damit zu rechnen ist, durch intensive
Explorationstätigkeit weitere Lagerstätten zu entdecken, und daß
schon bekannte Vorkommen, die mit herkömmlichen Methoden bislang
nicht ausgebeutet werden konnte, in Förderung genommen werden.
Das „Replacement‘“ — die der Erde entzogenen Vorräte durch neue
Funde zu ersetzen — ist sehr teuer, denn die Exploration muß in immer
schwierigere Bereiche vordingen, die wegen der unbekannten Ausbildung
der geologischen Formation die Bohrungen mit einem außergewöhnlichen
Aufschlußrisiko und hohen Kosten belasten. Zu diesen Replacement-Bemühungen
der deutschen Erdgasgewinnungsindustrie gehört der Vorstoß in
größere Tiefen in Nordwestdeutschland und in Süddeutschland, um neue
bisher noch nicht erkundete Stockwerke zu erschließen. Teufen bis zu
7000 m und mehr müssen dabei erreicht werden. Erwartet wird in diesen
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 134 (1979)
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