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Energierohstoffe — Globale Bestandsaufnahme 1980
Von F. BENDER, Hannover
Mit 6 Abbildungen
Die Situation der Energieversorgung ist selten so gegensätzlich beurteilt worden
wie heute. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
betrachtete es deshalb als wichtig, einen Überblick über die Energiereserven zu
erstellen und erklärte sich daher auch bereit, den “Survey of Energy Resources
1980” für die 11. Weltenergiekonferenz in München zu erarbeiten und dort als
eine Diskussionsbasis zu präsentieren. Die Weltenergiekonferenz hat eine lange
Tradition in der Behandlung von Problemen der Energiepolitik. Seit 1962
hat sie sich viermal einen Überblick über die Energiereserven und Energieressourcen
verschafft.
Als Geologe ist man es gewohnt, Rohstoffprobleme auch vor dem Hintergrund
der Erdgeschichte zu sehen. Aus dieser Sicht erscheinen solche Probleme
in einer bemerkenswerten Perspektive.
Alle konventionellen fossilen Energierohstoffe, insbesondere Kohle, Öl und
Gas, sind letztlich solarer Herkunft. Sie sind durch Fotosynthese in organisches
Material verwandelte Sonnenenergie. Es dauerte Millionen von Jahren,
um diese Rohstoffe zu bilden, und oft waren weitere hunderte Millionen Jahre
notwendig, um sie reifen zu lassen. Die Kohle aus dem Karbon ist 250 Millionen
Jahre alt. Der Hauptanteil der Weltölproduktion stammt aus dem Jura
und ist 150 Millionen Jahre alt, die nuklearen Brennstoffe haben sich vor mehr
als 600 Millionen Jahren in präkambrischer Zeit gebildet.
Dank zahlreicher Erfindungen, die den menschlichen Geist als wertvollste
Energiequelle manifestieren — beispielsweise die Dampfmaschine, der Elektromotor,
die Verbrennungsmaschine, die kontrollierte Kernspaltung —, kann
der Mensch heute innerhalb weniger Momente der Erdgeschichte verbrauchen,
was hunderte Millionen von Jahren zur Bildung und Reifung benötigt
hat. Über eine sehr lange Zeitdauer verkannte man allerdings die Probleme, die
mit der begrenzten Verfügbarkeit der Rohstoffe zusammenhängen. Die Beziehung
zwischen Anstieg der Weltbevölkerung, steigendem Lebensstandard,
wirtschaftlichem Wachstum und damit zwangsläufig steigendem Energieverbrauch
wurde fast als Naturgesetz betrachtet. Wirtschaftswissenschaftler und
Politiker planten die Zuwachsraten der Wirtschaft und des Energieverbrauchs
mit manchmal zweistelligen Zahlen.
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 136 (1981)