Nachrufe
Werner Straub
Pädagoge und Naturwissenschaftler
Am 12. Januar 1981 verstarb nach langem Krankenlager Studiendirektor Dr.
WERNER STRAUB im 71. Lebensjahr in Korntal. Eine überdurchschnittlich große
Zahl von Schülern ist durch ihn dazu angeregt worden, einen naturwissenschaftlichen
Beruf zu ergreifen.
WERNER STRAUB wurde am 5. Mai 1910 in Stuttgart als einer von vier Söhnen
des Oberreallehrers G. Strauß geboren. In seiner Vaterstadt besuchte er die
Schule und legte 1930 am Reformrealgymnasium (jetzt: Zeppelingymnasium)
Stuttgart die Reifeprüfung ab. Schon früh war er durch Ferienaufenthalte beim
Großvater zum aufmerksamen Beobachter der belebten und unbelebten Natur
geworden. So war sein Berufsweg — Studium der Naturwissenschaften für das
höhere Lehramt — vorgezeichnet. In Stuttgart, Tübingen und Wien studierte
er Geologie, Geographie, Chemie und Biologie. Nach einer Unterbrechung
durch den Wehrdienst legte WERNER STRAUB 1937 die erste Dienstprüfung ab
und trat in das Referendariat ein. Schon kurz nach der zweiten Dienstprüfung
erhielt er 1938 eine Stelle an der damaligen Realschule in Lorch, so daß die bei
M. BräuHÄUsER begonnene Dissertation über den Lias zeta zunächst unvollendet
blieb. Im gleichen Jahr schloß WERNER STRAUB die Ehe mit ELIsaBETH, geb.
Röser. Aus ihr sind zwei Söhne und eine Tochter hervorgegangen. Im gleichen
Jahr wurde Strauß an die damalige Oberschule für Jungen in Korntal versetzt.
Schon nach wenigen Monaten dort wurde er als Offizier zum Kriegsdienst eingezogen.
Anfang 1946 kam er aus der Gefangenschaft zurück und konnte nun
die Dissertation abschließen und noch im gleichen Jahr promovieren. Nach
zwei Jahren Lehrtätigkeit in Leonberg kam Straus 1949 wieder nach Korntal
zurück. Hier hat er die chemische, geographische und vor allem die geologische
Sammlung nahezu aus dem Nichts aufgebaut und in diese Arbeit sehr viel
Zeit und auch etliche private Mittel gesteckt. In den Nachkriegsjahren erteilte
er zunächst den Oberstufenunterricht in allen seinen Studienfächern; mit
zunehmender Klassenzahl beschränkte er sich dann weitgehend auf die
Geographie. Im Jahr 1975 trat er offiziell in den Ruhestand, unterrichtete aber
noch bis 1978. Im Juli 1978 zog sich Werner Strauß bei einem Sturz von
einem Baum lebensgefährliche innere Verletzungen zu, die zunächst gar nicht
vollständig erkannt wurden und nach einem mehrmonatigen Krankenhausaufenthalt
zur Verschlimmerung eines latenten Leidens führten, dem er schließlich
erlag.
WERNER STRAUB war ein begeisterter und seine Schüler begeisternder Lehrer,
dessen selbständige und manchmal etwas eigenwillige Unterrichtsmethode seinen
Schülern in guter und lebhafter Erinnerung geblieben ist. Für seine Lieblingsfächer,
physische Geographie und Geologie, wußte er so sehr Begeisterung
zu erwecken, daß viele ehemalige Schüler später aus allen Erdteilen ihm
Material für die Schulsammlung zuschickten, so daß diese im Laufe der Zeit
eine außerordentliche Qualität gewann. Die besondere fachliche und didaktische
Begabung von WERNER STRAUB führte auch zu seiner Berufung in die
Jh. Ges. Naturkde. Württ, 137 (1982)
165