Abhandlungen
Ein subrezenter Buchenwald im Kalktuff
von Stuttgart-Vaihingen
Von H.-J. GrEGor, Ludwigsburg
Mit 12 Abbildungen
Anfang Oktober 1981 fand G. DıetL vom Staatlichen Museum für Naturkunde
in Stuttgart einige Blattreste in einem Kalktuff bei Stuttgart-Vaihingen
und zeigte mir die Handstücke. Da auf den Tuffbrocken eindeutig Blätter und
Früchte einer Buche zu sehen waren, wurde eine kleine Grabung vorgesehen,
um mehr Material zu gewinnen.
Am 23. 10. 1981 fuhr die Grabungsmannschaft des Museums los, um sowohl
den an der Fundstelle anstehenden Jura, als auch den erwähnten Kalktuff zu
untersuchen. Ich möchte mich hier herzlich für ihre Hilfe bei den Kollegen G.
Bıoos und G. DıeTtL, sowie bei den Präparatoren M. Kapıtzke und D. Hac-MANN
bedanken.
Die Fundstelle lag im Baulos 20 der Baustelle der S-Bahn-Direktion Stuttgart-Vaihingen,
ca. 250 m nordwestlich der „Weißen Brücke“ (Meßtischblatt 7220
Stuttgart-Südwest, R: 08 305, H: 00 485, Höhe NN: 400 m), westlich Kaltental.
Die Verbreiterung der Schienenspur hat hier einen kleinen Aufschluß
geschaffen, der aus einem überliegenden Jura, einem eingeschalteten Kalktuff
und hangenden, überrutschten Juratonen bestand.
Die hangenden grauen Mergel und Tone (umgelagerter Jura) waren z.T.
grünlich und violett-fleckig verfärbt und rostrot-sandig ausgebildet, der untersuchte
Kalktuff selbst war gelblich-weiß, porös, und enthielt lagenweise dicht
gepackte Blätter (Abb. 1a, 2) und Früchte (Abb. 6-12) von Fagus silvatica L.,
unserer einheimischen Buche. Eindeutige Knospenschuppen gehören ebenfalls
zu dieser Art (Abb. 3-5).
Als akzessorische Bestandteile der artenarmen Flora sind auch dreilappige
Blattreste von Ahorn (Acer spec.) gefunden worden, wie ebenfalls recht
ansehnliche Fiedern vom Hirschzungenfarn (Phyllites scolopendrium (L.)
Newm. = Scolopendrium vulgare Sm. = Scolopendrium officinarium Sw.; Abb.
1a, b). Auf den Fiederblättern dieser Art finden sich z. T. noch die linealisch
„raupenförmigen“ Sori (Sporangien; Abb. 1b). Der Farn zeigt eurasiatische,
nordafrikanische und nordamerikanische Verbreitung und lebt oft in steinigen
Bergwäldern, z. T. auf Kalk oder feuchten Felsen. Er ist ein guter Anzeiger für
relativ milde Winter und günstige Standorte in einem gemäßigten Klima.
An tierischen Resten sind bisher nur Gastropoden gefunden worden, so
Cepaea nemoralis (kleinwüchsig), Arianta arbustorum und Vitrea crystallina
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 137 (1982)