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RÜDIGER GERMAN
braucht (Bodenschätze, Wasser, Energie usw.) und längerfristig schwere Probleme
verursacht, was auf Arbeitsplätze, Gesundheit usw. negativ zurückwirkt.
Bei unserer Lebens- und Wirtschaftsform werden Rohstoffe nicht selten
für wenig wertvolle bis nutzlose Gegenstände vergeudet (vgl. die Pressemeldungen
über die jüngsten Äußerungen des katholischen Sozialwissenschaftlers
Prof. v. NELL-BREunNinG). Wirtschaftliches Wachstum halte ich heute für einen
unvertretbaren Raubbau an der Natur. Allerdings können staatliche Beschäftigungsprogramme
u. U. ähnlich wirken.
Unter diesen Gesichtspunkten erscheint auch der Wert der Entwicklungshilfe
fragwürdig, soweit diese in einer Industrialisierung besteht (s. o.). Außerdem
werden natürlich gewachsene menschliche Lebensstrukturen zerstört und
„zivilisiert“, d. h. verwestlicht. Die Bevölkerung wird nicht selten gezwungen,
etwas zu tun, was ihr nicht liegt (z.B. Ansiedlung von Nomaden) und wovon
wir meinen, daß es deren Glück bedeute. Oft ist dieses „Glück“ nur vergängliches
Geld (vgl. Hans im Glück). Schließlich wird durch Industrialisierung verstärkt
die Umwelt verschmutzt. Fraglos soll jedes Volk seine Kultur und
Lebensform pflegen können, die es traditionsgemäß besitzt bzw. benötigt.
Eine ausgewogene Linie, welche zweifellos von uns Weißen viel Verzicht,
Abstriche an übersteigerten vermeintlichen „Ansprüchen“ (welche im Grunde
nicht lebensnotwendig sind) erfordert, sollte zu einer weltweit humanen
Lösung führen können.
Unser Fortschritt besteht daher langfristig gesehen nicht im Wirtschaftswachstum,
sondern in der Erhaltung der Natur, der natürlichen Grundlagen
unseres Lebens und ihrer pfleglichen Nutzung für die unumgänglichen Bedürfnisse
des Menschen. Dazu ist allerdings viel Informations- und Aufklärungsarbeit
notwendig. Nicht selten wird seit einiger Zeit bei uns die weitere (oft verstärkte)
Nutzung der Ressourcen als Umweltschutz „verkauft“, weil dies dem
Menschen nutze. Letzten Endes ist dies aber auch nur eine Vermarktung, und
dies läuft bei nicht regenerierbaren und meist auch bei stark verschmutzten
regenerierbaren Rohstoffen ebenfalls auf eine Art Raubbau hinaus.
Zweifellos ist die zahlenmäßig wachsende Menschheit — neben dem politisch
gemachten „Wohlstand“ des Westens — die Hauptursache des starken
Verbrauchs unserer Ressourcen. Viele berauschen sich an den wachsenden
Bevölkerungs-Millionen und -Milliarden — oder malen Schreckensbilder, nicht
zuletzt wegen der immer schwieriger werdenden Ernährung bzw. Versorgung
mit gutem Trinkwasser. Aber welcher Politiker wagt es (außer in China und
teilweise in Indien), dem Bevölkerungswachstum klar Einhalt zu gebieten?
Wer beginnt schon freiwillig bei seiner eigenen Familie? Unser gesamtes Wissen
nützt uns wenig oder nichts, wenn wir nicht schnell die logische Konsequenz
aus den weltweit bekannten Problemen ziehen und die Kinderzahl überall
begrenzen. Die Zahl der Menschen auf der Erde sinnvoll einzudämmen, ist
eine Überlebensfrage. Doch wie selten werden unbequeme Wahrheiten bzw.
Tatsachen in Politik umgesetzt? Sollten die Politiker als die verantwortlichen
Lenker der Bevölkerung dieses Problem nicht umgehend angehen und allgemein
verständlich machen können, dann müßten wir wohl das erleiden, was
die Natur bei Übervölkerung „vorgesehen“ hat.
ih. Ges. Naturkde. Württ. 138 (1983)