Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 138, 1983)

Die natürlichen Mineralquellen in Cannstatt

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In Jüngst vergangener Zeit wurde auf dem Marktplatz eine größere Zahl von
Bohrungen zur Untersuchung des Baugrundes abgeteuft. Das Profil einer in
Nähe des Rathauses, also an der breitesten Stelle der ehemaligen Stadtsulz gelegenen
 Bohrung unterschied sich von allen anderen Bohrungen durch eine bis
19m u. G. reichende, insgesamt 15 m mächtige, teilweise torfige Schlickschicht
innerhalb der Ablagerungen des Neckartales; sie wird durch 4 m starke künstliche
 Auffüllungsmassen überdeckt. Die Wände dieser Ablagerung sind stark
geböscht (frdl. mündl. Mitt. von Herrn Dr. Eckart Rocowsg1). Man geht
wohl nicht fehl, in diesem Phänomen einen trichterförmigen Quellschlot zu
vermuten, der über einer wasserführenden Kluft in Lettenkeuper und
Muschelkalk entstanden ist. Aus solchen Aufstiegswegen wurde die Stadtsulz
gespeist.

Obere Sulz

Die vor dem Esslinger Tor, am heutigen Wilhelmsplatz gelegene Obere oder
„riche [reiche] Sulz“ bestand als kleines Mineralfreibad noch bis 1927; hier ist
das Geschäftshaus Schuh-Heinrich erstellt worden. Auch sie war ein Mineralwassersee,
 offenbar von natürlicher Entstehung, in dessen schlammigem
Grund mehrere Mineralsäuerlinge austraten. Der ursprünglich ovale See besaß
eine Fläche von 800 m”: das Wasserbecken wurde später in ein rechteckiges
Bassin umgestaltet und mit Hartgestein so aufgefüllt, daß ein ebener Beckenboden
 entstand. Der Bau des Neckarkanals brachte die Quellen zum Versiegen.
Über die Ergiebigkeit und den Chemismus des Quellsees ist nichts bekannt.
Das Wasser soll konzentrierter als dasjenige der Stadtsulz gewesen sein, woraus
sich der Name „riche Sulz“ ableitete.

Ochsen-Quelle
Am Nordwestende der Cannstatter Neckarbrücke, heute Wilhelmsbrücke,
steht das Gebäude des altberühmten Gasthofs zum Ochsen, in welchem FrıeD-RICH
 SCHILLER als Regimentsmedicus oft zu Gast war. In dem hinter dem
Gasthof liegenden Garten nördlich der heutigen Wilhelmastraße entsprang
eine Mineralquelle, über welche keine Einzelheiten bekannt sind. Sie wurde in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschlossen.

Wiesen- und Karlsquelle

Seit altersher flossen am Sulzerrain Mineralquellen in Gärten und Baumgrundstücken
 aus. Die Wiesenquelle entsprang am Fuß des Sulzerrainhügels
unterhalb der späteren Villa Daimler, im Winkel zwischen Martin-Luther- und
Taubenheimstraße. Als in den sechziger Jahren das Sportversehrten-Krankennamenlose

 Gasse nordwestlich der alten Sulzgasse. Die weiherartige Stadtsulz lag diagonal
 über den heute sehr vergrößerten Marktplatz hinweg, vom Rathaus bis zum östlichen
 Teil der heutigen Sulzbachgasse.

{h. Ges. Naturkde. Württ. 138 (1987
            
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