Volltext : Jahreshefte der Gesellschaft für Naturkunde in Württemberg (Bd. 138, 1983)

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WALTER CARLE

haus gebaut wurde, war in der Baugrube verwitterter Gipskeuper-Mergel und
in ihn eingesenkt ein etwa 6 m breiter, nach unten enger werdender Trichter
mit Faulschlamm-Füllung etwa 4m tief aufgeschlossen, der als geologisches
Zeugnis des Quellsees der Wiesenquelle anzusehen ist. Dieser kaum tragfähige
Baugrund hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Schrägstellung des prächtigen
 Wohnhauses Martin-Luther-Straße 1 geführt. Für die Gründung des Krankenhauses
 mußten unverhältnismäßig hohe Mittel aufgewandt werden. Über
die Quellschüttung ist nur bekannt, daß sie im Lauf der Jahrzehnte stark
wechselte, daß die Quelle einmal verschüttet und später wieder geöffnet wurde,
 wobei sich kurzfristig ein starker Wasser- und Gasausbruch mit „mannsstarker“
 Wassersäule ereignete. Auf einer Karte (Becx 1900) ist neben dem
Quellnamen die Bezeichnung „Gasdouche“ vermerkt, was auf starken Kohlendioxid-Gehalt
 hinweist.
Über die Karlsquelle ist nichts Näheres bekannt. Der Quellort befand sich
etwa 100m westlich der Wiesenquelle auf dem von der Nauheimer-, König-Karl-
 und Martin-Luther-Straße eingerahmten Gelände. Der Abfluß beider
Quellen zog in einem Gerinne ab, das der alten Seidengasse, einem Feldweg,
folgte, die später geschaffene Kursaalallee diagonal querte und beim neuen
Mineralschwimmbad Cannstatt an der Krahnenstraße in den Mühlgrünkanal
des Neckars mündete.
Wenn von den Mineralquellen am Sulzerrain oder am Burgstall die Rede ist,
so sind diese beiden Quellen gemeint.

Sulzerrain-Quelle, heute Wilhelmsbrunnen
Abbildung 3

Im Zuge der Salzsuche, die schon öfters mit Cannstatter Mineralwasser
betrieben wurde, versuchte sich auch der stets in Geldnöten befindliche Herzog
 Karl Eugen erneut unter dem Einsatz der damals in Entwicklung befindlichen
 Bohrtechnik (CArı£ 1961). Nur 150m von der Wiesenquelle entfernt
wurde 1772 unter dem sehr steilen Hang des Sulzerrains eine Bohrung angesetzt.
 Von einem 14m tiefen Schacht aus wurde bis 22,9 m Tiefe mit einem
Durchmesser von 114 mm, bis zur 1773 erreichten Endteufe von 71,5m mit
einem Durchmesser von 71,5 mm gebohrt. Man erschloß zunächst 51 1/s, doch
ließ diese Anfangsergiebigkeit wie üblich rasch nach; 1852 maß man bei mittlerem
 Neckarstand 8 1/s, bei hohem Neckarstand 14,8 1/s. Die erste, von Dr.
FRÖSNER 1794 durchgeführte moderne chemische Analyse gab eine Gesamtkonzentration
 von 5800 mg/kg. Der später mehrfach neu gefaßte Tiefbrunnen
ist nach neuen Analysen ein Calcium-Natrium-Chlorid-Sulfat-Hydrogenkarbonat-Säuerling
 mit 4860 mg Feststoffen/kg, 1330 mg Kohlendioxid-Gas/kg
und einer Temperatur von 17,7 °C. Das Wasser stieg ab 1773 anfänglich über
4m artesisch auf, was sich später verringerte.

Die frühe Geschichte des Cannstatter Badewesens

Man darf aufgrund allgemeiner Kenntnisse über die römischen Badegepflozenheiten,
 aber auch im Hinblick auf außerhalb der Stadtmauer von Cannstatt

Ih. Ges. Naturkde. Württ. 138 (1983)
            
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