Erstfund des Schneckenkankers Ischyropsalis hellwigi
Panzer (Opiliones, Ischyropsalidae) im Landkreis
Biberach/Riß (Oberschwaben)
MC
(LORNELIA SCHWERDTLE und MICHAEL SCHNEIDER, Tübingen
Mit 1 Abbildung
Am 16. 9, 1983 fanden wir 7 km nordwestlich von Biberach in der Nähe des
Gutershofer Weihers auf der Bundesstraße 312 ein überfahrenes Grasfroschmännchen.
Sein Mageninhalt bestand aus Carabiden, Dipterenlarven und den
Cheliceren eines Schneckenkankers (Abb. 1). Anhand der Cheliceren wurde
dieser Kanker als Ischyropsalis hellwigi PANzeErR bestimmt. Die Tatsache, daß
9
1mm
Abb. 1: Teile der gefundenen Chelicere des Schneckenkankers Ischyropsalis hellwigi.
sich der Frosch auf der Herbstwanderung befand, erschwert Aussagen über die
Herkunft des Kankers. Da Grasfrösche sich nach unseren Erfahrungen maximal
1km vom Laichgewässer entfernen, befand sich der Lebensraum des
Schneckenkankers in dem Waldgebiet „Schwärze“, das im Norden von der B
312 durchschnitten wird. Dieser 631m über NN gelegene Wald besteht überwiegend
aus Fichtenmonokulturen unterschiedlichen Alters, die mosaikartig
von kleinen Laubholzbeständen durchsetzt sind. In den älteren Fichtenschonungen
sorgen morsche Baumstümpfe und ein stellenweise dichter Moosunterwuchs
für ein feuchtes, kühles Mikroklima. Der Schneckenkanker ist auf ein
ausgeglichenes Kleinklima mit ständig gleichbleibend niedriger Temperatur
und konstant hoher Luftfeuchtigkeit angewiesen (MARTENS 1965). Die noch
1965 von Martens beschriebene Verbreitungslücke in Südwestdeutschland
konnte in den letzten Jahren durch Funde im nördlichen Schwarzwald (v.
HAGEN 1973), bei Stuttgart (WEHRMAKER 1975), bei Tübingen (BAEHR 1978) und
durch unseren Neufund bei Biberach geschlossen werden.
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 139 (1984)