weiße Putz wird bald grau, der graue bald schwärzılch;
der leuchtend ockergelbe, rötlichgelbe, rotbraune
und braunrote Putz dagegen im Laufe der
Zeit nur gedämpft. Auch grüne Oxyde bewahren
ange Zeit ihr gutes Aussehen, wenn sie nicht zu
dunkel und auch nicht zu matt gehalten sind. Das
Ultramarinblau erweist sich ebenfalls als sehr beständig
im Putz, sollte aber der Wirkung wegen ein
wenig nach grün gebrochen und gemildert werden.
Wie jeder Baustoff, muß auch der Farbputz
sachgemäß und sorgfältig verarbeitet werden, wenn
er sich bewähren soll. Ohne Erfahrung und Gewissenhaftigkeit
kein Erfolg. Nicht alle Sorten sind
gleichwertig. Streckung des gelieferten Mörtels ist
von schlimmem Uebel. Schwer zu beantworten ist
die Frage der Wirtschaftlichkeit dieses oder anderer
Verfahren. Sie läßt sich wohl nur speziell, nicht
generell beantworten, wenigstens solange es nur ein
bis zwei Jahrzehnte sind, die Vergleiche zulassen.
Dazu ist der Grad der Wirtschaftlichkeit von zu
vielen verschiedenen Einflüssen abhängig. Es genügt
ja nicht, zwei Verfahren des Oberflächenschutzes
(Farbputz — Anstrich) miteinander zu vergleichen;
°s kommt auch auf die Art, die Qualität der Ausführung
an. Daß jedes Verfahren Vorzüge und
Schwächen hat, hier am Platze, dort verfehlt ist,
versteht sich ohne weiteres. Wichtiger als Theorien
über Wirtschaftlichkeit ist die vorurteilslose Erxenntnis
des besonderen Sinnes der verschiedenen
Techniken der Oberflächenbehandlung, die uns ja
gerade beim Putzbau in so reicher Auswahl geboten
werden.
Würde es dem Sinn des Farbputzes zunächst
widersprechen, wollte man seine Oberfläche mit
einem Anstrich versehen, so wäre es ebenso sinnwidrig,
dem ‚einfachen Kalk- und Zementputz den
deckenden Ueberzug vorzuenthalten. Die technische
Vernunft soll aber maßgebend nicht allein für die
Anwendung, sondern auch für die künstlerische
und geschmackliche farbige Gestaltung des Hausäußeren
sein. Die Tönung des Farbputzes ist ähnıich
wie die Farbe des Backsteins im wesentlichen
unveränderlich verbunden mit der Form. Die Farbe
des gestrichenen Putzbaues ist hingegen vergänglicher
und darum leichter veränderlich. Sie bildet
einen zwar entscheidend wirkenden, aber technisch
ganz leichten, dünnen Ueberzug der Form, der nicht
ainmal die Struktur des Putzes verbirgt. Der Putzbau
wird je nach dem gerade herrschenden Farbensinn
bald so bald so aussehen — in guten Zeiten
mmer sauber frisch instand gesetzt, in schlechten
Zeiten nicht selten verwittert und schmutzig. Ein
ınd dieselbe Bauform kann also auf verschiedene
Weise farbig ergänzt werden. Auch bedeutet Anstrich
periodische Säuberung des Bestehenden. All
dem entsprechen nicht sehr schwere und dunkle,
vielmehr lebhafte und klare Töne.« Das schmutzige
Grau alten Bruchsteingemäuers kann ehrwürdig
wirken; das schmutzige Grau eines gestrichenen
Putzes ist dagegen abstoßend. Erhält der Putz
einen deckenden Anstrich, so ist es geschmacklos,
diese Tatsache optisch unauffällig zu machen, dagegen
naheliegend, sie künstlerisch auszuwerten.
Die Wahl des Farbtones wird bedingt durch die
verfügbaren geeigneten Körperfarben, die „Fassadenfarben“,
welche namentlich viele braun- und rötichgelbe,
gelb- und rotbraune, braunnrote, einige
zelb- und blaugrüne Farben, eine blaue (ultramarin)
und eine bläulichbraune (caput mortuum) Farbe
sowie mehrere weiße umfassen. Eine gewisse Aufhellung
durch die eine oder andere der bekannten
Weißfarben führt bei den Buntfarben — ohne weitere
Mischung —- zu einer ausgeprägten aber maßvollen
Erscheinung. Auch beim Anstrich ist die unverneidliche
Verschmutzung in Rechnung zu stellen,
lie ohne graue Mischung den Anstrich zunehmend
dämpft.
Der Putzbau verträgt kalte Töne (grün, blau)
30 gut wie warme (gelb, braun, rot). Im Norden
Devorzugt man häufiger die warmen, im Süden hier
ınd dort die kalten. Die erste Gruppe läßt sich bejebig
aufhellen, während Grün und Blau mittelhell
10ch gut, heller jedoch leicht süßlich oder fade (substanzlos)
werden. Süßlich und flau darf aber die
ebendige, freundliche Farbigkeit des gestrichenen
Putzbaues nicht erscheinen.
Im übrigen ist die Wahl der Töne nicht unabhängig
vom Bindemittel. Körperfarben und Bindenittel
sind mit Mauersteinen und Mörtel zu verzleichen,
weil beide Faktoren zusammen erst das
;echte Gefüge geben (abgesehen von einigen Sonlerverfahren
— z. B. Paraffinüberzug u. a.). Da das
3indemittel (mit Ausnahme der Kalkmilch, die zuzleich
bindet und färbt) farblos ist, spielt das Bindenittel
koloristisch zwar unmittelbar keine Rolle; es
st aber nicht belanglos für das Aussehen des Putzjaues,
0b etwa ein Silikat-, Wasserglas- oder Kaseinanstrich
die Struktur der Putzoberfläche fast gar
ıicht beeinflußt oder ein Oelfarbenanstrich die Oberfläche
glättet. Ebenso wird der Grad der Intensität
ei der Kalkfarbe durch die geringe Aufnahmefähigxeit
an Körperfarbe begrenzt, während diese Beschränkung
bei der Emulsionsfarbe und den soeben
erwähnten Techniken fortfällt.
Damit ist der fast unendliche Reichtum der
koloristischen Ausdrucksmöglichkeiten im Putzbau
nur in wenigen Punkten angedeutet. Maßgebend
— aber mit reichlichem Spielraum für die künsterische
Phantasie —- bleiben die technischen Grundagen
der Farbe. Je inniger der Kontakt des Archi-:ekten
mit dem Handwerk und seinen Gesetzen,
lesto überzeugender — und wirtschaftlicher — das
Ergebnis! Jedes Vorurteil gegen den einen oder
ınderen Weg muß sich rächen. Jedes Verfahren
st, am rechten Ort und auf die rechte Weise angewendet,
gleich gut und achtenswert. Darum sollte
der Architekt auch nichts verbergen, was techıisch
vernünftig ist. Es ist sogar eine wichtige
Aufgabe der Farbe, Putz, Stein, Holz und Metall
in ihrer Verteilung auf die Oberfläche des Hauses
durch verschiedene Tönung sinnfällig zu machen;
wie es Aufgabe der Farbe sein kann, Bauteile
gleichen Werkstoffes durch verwandte Tönung zuzammenzufassen.
Putz und Farbe, zwei Begriffe, die nur gewaltsam
und niemals auf die Dauer auseinander gezerrt
werden können. Der Putzbau ist so lebensvoll, um
auch die Tyrannei einer kurzen Mode zu überstehen.
Seine Fundamente sind aber nicht stark ge-1ug,
um dem unaufhörlichen Wechsel modischer
Dogmen standzuhalten. Der Wert seiner Farjigkeit
war und bleibt ein Ciradmesser für den
Srad seiner Vollendung‘.