Oszillationen des Supermaximalvorstoßes an der Stirn des
Rhein-Vorland-Gletschers in der Würmeiszeit
Vorläufige Mitteilung über Beobachtungen in einer Kiesgrube bei
Ingoldingen (Krs. Biberach)
Von RÜDIGER GERMAN, Tübingen
Auf der Exkursion unserer Gesellschaft nach Oberschwaben am 28. Juni
1987 konnte der Verfasser in der Kiesgrube der Fa. A + B westlich Ingoldingen
eine interessante Abfolge von Schichten zeigen: Unter einigen Metern würmhochglazialer
Schotter des Sanders vor der AJE (= Außere Jungendmoräne,
dem maximalen und mächtigsten Wall der Würmeiszeit) lag ein etwa 3 m mächtiges
Band von schluffreichem Grundmoränensediment mit gekritzten Geschieben.
Im Liegenden dieser Schicht lagen wiederum Schmelzwasserablagerungen.
Stellenweise zeigten sie deutliche Schrägschichtung und Querschnitte von ehemaligen
Flußbetten. Zumindest diese Partien sind sicher keine Vorstoßschotter,
wie sie im Liegenden einer Grundmoräne zu erwarten wären. In der Südwestecke
des Aufschlusses konnte im basalen Schotterkomplex eine weitere
geringmächtige Grundmoränenschicht bzw. deren durch Abtragung von
Schmelzwässern erhaltener Rest festgestellt werden. Außerdem sind im hangenden
Teil der Grube, über dem 3 m mächtigen Grundmoränenband, noch mindestens
zwei weitere Oszillationen des ehemaligen Eisrandes zu erkennen. Der
Fortschritt des Abbaus in Richtung auf den Hauptwall der Würmeiszeit läßt ein
sehr abwechslungsreiches Bild der hochglazialen Sedimentation erkennen. Dies
steht im Gegensatz zu der relativ einheitlichen Schüttung, welche bisher in den
Kiesgruben der Umgebung erkennbar war, die aber meist in größerer Entfernung
von den Randmoränen liegen.
Im Juni 1988 konnte an der 3m mächtigen Grundmoräne eine Besonderheit
beobachtet werden, welche das Geschehen am ehemaligen Eisrand noch deutlicher
als bisher dokumentiert: In ihrem nördlichen Teil, etwa an der Ecke, wo
die stark geneigte Zufahrtstraße ins Abbaugebiet einmündet, war im hangenden
Teil der Grundmoränenschicht die Front einer weiteren Moräne zu erkennen.
Ihre Zunge wächst aus dem 3m mächtigen Grundmoränensediment hervor.
Von ihr aus neigen sich eigene Schmelzwassersedimente steil auf die weiter nach
Norden reichende unmittelbar darunter liegende Grundmoräne. Letztere zieht
als nur noch etwa 2 m mächtiges Band nach Norden weiter und kann unter der
Zufahrtstraße und den Werksbauten nicht weiterverfolgt werden. Die steil abfallenden
Schmelzwasserablagerungen vor der Stirn der jüngsten Grundmoräne
sind von den hangenden Schottern des Sanders durch eine Grobblocklage getrennt.
Damit sind in diesem Teil der Kiesgrube — inmitten des würmhochgla-Ih.
Ges. Naturkde. Württ. 143 (1988)