Zur Verbreitung und Ökologie von Tortula ruraliformis
(Besch.) Ingh. und Pleurochaete squarrosa (Brid.) Lindb. in
Südwestdeutschland
Von MARTIN NeEBEL, Stuttgart
Mit 4 Abbildungen und 2 Tabellen
Einleitung
Baden-Württemberg ist bryologisch vergleichsweise gut erforscht, wobei allerdings
der Kenntnisstand der Moosflora in den einzelnen Landesteilen große
Unterschiede aufweist. Am wenigsten ist dabei Nordwürttemberg bearbeitet.
Der wesentliche Teil der Angaben stammt aus dem vorigen Jahrhundert von
HEGELMAIER (1873, 1884) sowie einer Reihe von Ergänzungen von HERTER
(1887). Beobachtungen aus neuerer Zeit sind vor allem in den Arbeiten von
DüLL (1969 —76) veröffentlicht.
Über die Verbreitung und Ökologie von Tortula ruraliformis war bisher
wenig bekannt, da diese Art meist übersehen wurde. Bei Pleurochaete war die
Entdeckung des stark abweichenden Wuchsortes im Neckargebiet, insbesondere
die Frage nach dem Status des Vorkommens, Anlaß zur Darstellung der Gesamtverbreitung
in Südwest-Deutschland. Durch ihre besonderen Standortsansprüche
sind beide Arten heute infolge der Veränderungen ihrer Lebensräume
im Bestand gefährdet. Vorschläge zu Schutz und Pflege der Wuchsorte sollen
ihren Erhalt sichern helfen.
Ein großer Teil der hier aufgeführten Funde geht auf eine Mooskartierung
Nordwürttembergs im Auftrag der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg
zurück, die von April 1988 bis März 1989 durchgeführt wurde.
Für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Daten danke ich Herrn Dr. K.
H. Harms von der Landesanstalt für Umweltschutz. Herrn Prof, Dr. G. Ph1-LIPPI
und Herrn M. AHRENS gilt mein Dank für die Durchsicht des Manuskriptes
und zahlreiche Fundortsangaben. Erste Anstöße, mich mit der Gattung 7ortula
eingehender zu beschäftigen, kamen von Herrn Dr. W. Kramer, auf
dessen Einführung und dem dabei gesammeltem Belegmaterial ich mich bei
meiner weiteren Arbeit stützen konnte. Für die Bestimmung der Flechten
danke ich Herrn Dr. V. Wirta. Herr M. SAUER begleitete mich auf einer Reihe
von Exkursionen, von ihm stammt das Foto von 7. r4raliformis. Die Belege befinden
sich in den Sammlungen der Staatlichen Museen Karlsruhe (KR) und
Stuttgart (STU) bzw. in den Herbarien von Herrn AHRENS (Herb. AHRENS)
und Herrn Dr. Harms (Herb. Harms). Die Nomenklatur richtet sich bei den
Moosen nach FraHmMm und Frey (1983), bei den Gefäßpflanzen nach EHRENDOR-FER
(1973) und bei den Flechten nach Wirt (1987).
Jh. Ges. Natüurkde. Württ. 145 (1990)