LUCA GHINI, LEONHARD RAUWOLFF und LEONHART FUCHS.
Über die Herkunft der Aquarelle im Wiener
Kräuterbuchmanuskript von FucHs
Von SIEGMUND SEYBOLD, Stuttgart
Mit 6 Abbildungen
1. Eine Vermutung
Im 16. Jahrhundert erreichte die südwestdeutsche Floristik mit den sogenannten
Vätern der Botanik einen ersten Höhepunkt. Die Entwicklung der
Botanik damals ist uns aber erst in Bruchstücken bekannt. Zuviele wichtige
Dinge schlummern hier noch in den Archiven. Über LEONHART FucHs
(1501 — 1566) ist zwar schon viel geschrieben worden, aber sein Hauptwerk, sein
zweites Kräuterbuch, das nie gedruckt erschien und das erst 1954 in Wien wiederentdeckt
wurde (GANZINGER 1959), ist noch kaum genügend analysiert worden.
Zur Untersuchung dieses Werks stand mir ein Archivfilm zur Verfügung,
den das Staatliche Museum für Naturkunde in Stuttgart aus Mitteln für das
Handbuch der Höheren Pflanzen Baden-Württembergs erwerben konnte. Für
die Genehmigung, mehrere Bilder aus diesem Werk publizieren zu dürfen,
danke ich herzlich Frau Dr. E. IrsııcH, Wien. Durch die Erwerbung von
Fotos (Microfiche) des gesamten Herbars RAuwoLFF aus Leiden war die Identifizierung
von Zeichenvorlagen möglich geworden. Bei der Suche nach der
Herkunft der Wasserzeichen war mir Herr Dr. NATALE vom Hauptstaatsarchiv
in Stuttgart behilflich. Für ein Foto des Porträts von Luca Gun danke
ich herzlich Herrn Prof. CARLO FiLorıs und Herrn Dr. G. Pısroissı von der
Universität Pisa. Schließlich danke ich meinem Bruder RAINER SeyBoLD (Leonberg-Warmbronn)
für Hilfe beim Übersetzen der lateinischen Texte.
Durch die Einschränkung auf die Orchideen (SeyBoLD 1986) konnte ich erste
Ergebnisse aus dieser interessanten, aber sehr umfangreichen Wiener Handschrift
veröffentlichen. Sie umfaßt die Codices 11117-11125, die hier als Band
1(1,2,3), 2(1,2,3) und 3(1,2,3) mit den darin angebrachten Seitenzahlen zitiert
werden. FucHs hatte in seinen letzten Lebensjahren einen wichtigen weiteren
Künstler beschäftigt, von dem bisher kaum etwas bekannt war: JERG ZIEGLER.
Seine Signatur findet sich in Wien auf 456 aquarellierten Federzeichnungen (im
folgenden kurz meist als Aquarelle bezeichnet). Inzwischen ist auch die Kunstgeschichte
in diesem Fall weitergekommen, denn JERG ZIEGLER ist der „Meister
von Meßkirch“ (UrRBAn 1989),
Bei der Beschäftigung mit den Orchideen-Aquarellen aus Wien war mir aber
aufgefallen, daß ihre lebensechte Darstellung nur in der Nähe ihrer Fundorte
{h. Ges. Naturkde. Württ. 145 (1999)