Zum Vorkommen der Kartäuserschnecke,
Monacha cartusiana (O. F. MÜLLER 1774),
im Raum Tübingen
Von MARTIN ADLER. Reutlingen
1. Einleitung
Die unter der deutschen Bezeichnung Kartäuserschnecke bekannte Art Monacha
cartusiana ist eine Landschnecke mit vorwiegend mediterraner Verbreitung.
Als „Ruderalschnecke“ durch den Menschen begünstigt, hat sie sich im
atlantisch beeinflußten westlichen Europa ein großes, wenn auch lückenhaft
besiedeltes Areal erobern können. In Mitteleuropa ist sie in wärmebegünstigten
Gebieten, etwa im Oberrheingraben, vor allem an anthropogen geprägten
Standorten zu finden.
Für Württemberg wurde Monacha cartusiana erstmals von JANUs (1955) gemeldet
und ist somit ein relativ neuer Einwanderer und auch keineswegs verbreitet
oder häufig, wohl aus Mangel an zusagendem Lebensraum. S. G. A.
JAECKEL (1958) nennt ohne nähere Angabe Tübingen als Fundort; nach Recherchen
von ScHMID (1964) lag ihm ein 1954 von M. Boness lebend gesammeltes
Exemplar aus einem Klee-Luzerne-Feld „bei Tübingen“ vor.
Obwohl in der Folgezeit die Tübinger Umgebung ausgiebig von kenntnisreichen
Malakologen besammelt wurde, blieb das Vorkommen von Monacha cartusiana
in diesem Gebiet über 30 Jahre lang unbestätigt. Der neuerliche Nachweis
dieser vergleichsweise großen und auffälligen Schnecke im Raum
Tübingen verdient daher Beachtung.
2. Fundbeschreibung
In der Ortschaft Kirchentellinsfurt, ca. 4km östl. von Tübingen gelegen,
führt am Ortsausgang in Richtung Wannweil eine Brücke über die Echaz,
einen Nebenfluß des Neckars. Im Bereich dieser Brücke wurden am 30. 08,
1988 auf einer mit Steinpflaster befestigten, WNW-exponierten Uferböschung
zwei lebende Tiere und eine Leerschale von M. cartusiana gesammelt. (die lebend
gesammelten Tiere wurden als Alkoholpräparate im Staatl. Museum f.
Naturkunde Stuttgart hinterlegt). Bei einer Nachsuche etwa ein Jahr später
(IX. 1989) wurde neben mehreren Leerschalen auch ein lebendes Tier gefunden
(und im Biotop belassen). Es kann also von einer längerfristig stabilen Population
ausgegangen werden. Die Größe der gesammelten Adultgehäuse von
M. cartusiana liegt zwischen 11,0 x 7,1 und 15,8 x 10,0 mm (Breite x Höhe).
Eine Vorstellung vom Fundort soll über die vorhandene Pflanzendecke und
die begleitende Molluskenfauna vermittelt werden.
{h. Ges. Naturkde. Württ. 145 (1990)
18 Jh. Naturkde. Württ. 145 (1990)