Zur Biologie von Mycetoma suturale
(Coleoptera: Serropalpidae) in Süddeutschland*
Von EvA-MarıA EICHHORN, Stuttgart
Mit 2 Abbildungen
1. Einleitung
Von dem in Mitteleuropa sehr seltenen Käfer Mycetoma suturale PANZER 1797
nahm man an, daß es sich um eine mycetobionte Art handeln müsse (BENICK
1952). Über seine präimaginalen Stadien besaß man keine Kenntnisse, und
seine Biologie war auch kaum erforscht. Dorn (1936) züchtete die Käferart aus
einem „Polyporus“ von einer abgestorbenen Fichte des Böhmerwaldes. Der
Fruchtkörper, den er Ende Mai eintrug, war mit über 150 Larven besetzt, aus
denen sich im Oktober wenige Käfer entwickelten, die sich in feuchten Muln
verpuppt hatten. Bei Herkulesbad (Banat, Rumänien) beobachtete Dorn ein
Massenauftreten Ende Oktober an Porlingen an sehr alten Rotbuchen, und
zwar sowohl an den frischen Fruchtkörpern als auch im morschen Holz eines
liegenden Stammes, in dem sich die Tiere entwickelt hatten (Horrion 1956).
Nuss (1986) meldete aus dem Bayerischen Wald aus den noch ansitzenden vorjährigen
Fruchtkörpern des Porlings Ischnoderma benzoinum zahlreiche Käfer.
Das war der erste sichere Nachweis dieser Art für Deutschland.
2. Untersuchungsgebiete, Material und Methode
Die Untersuchungen wurden im Naturschutzgebiet „Mittelsteighütte am
Zwieselerwaldhaus“ (mittlerer Bayerischer Wald) und im Bannwald „Faulbach“
(Südschwarzwald) durchgeführt. Bei den jeweiligen Besuchen auf den Versuchsplätzen
wurden Beobachtungen über Vorkommen und Entwicklungsstand
von M. suturale und Begleitarten vorgenommen. Für genauere Untersuchungen
im Labor wurden Fruchtkörperproben von Ischnoderma benzoinum
und Z resinosum (letztere Art ausschließlich vom Versuchsplatz „Zwieselerwaldhaus“)
entnommen und zwar so, daß mindestens eine ein Zentimeter
dicke Holzschicht anschließend an den Fruchtkörper erhalten blieb. Im Labor
wurden die Proben in entsprechend große Glasbehälter gelegt. Durch die Ausdünstung
von Holz und Fruchtkörper entsteht so eine „feuchte Kammer“. Die
Fruchtkörper verhärten nicht, sondern bleiben in ihrer natürlichen Konsi-*
Die vorliegende Arbeit ist ein Ausschnitt aus dem entomologischen Teil meiner Diplomarbeit,
die ich in den Jahren 1986/87 an der Fakultät für Botanik II der Universität
Regensburg angefertigt habe.
fh. Ges. Naturkde. Württ. 145 (1990)