Abhandlungen
Zur Spiriferina-Bank im westlichen Hohenlohekreis
Von ALFRED BARTHOLOMÄ, Neuenstein
Mit 2 Abbildungen
Die Spiriferina-Bank ist auf Grund ihrer klaren Erkennungsmerkmale, ihrer
weiten Verbreitung und isochronen Bildung einer der wichtigsten Leithorizonte
des Oberen Muschelkalks. Das Leitfossil der Bank ist der Brachiopode
Punctospirella fragilis v. SCHLOTHEM (früher Spiriferina fragilis). Er kommt im
gesamten Oberen Muschelkalk nur in dieser Bank vor.
Das zweite Erkennungsmerkmal der Bank ist die letztmalige Trochitenführung
der Seelilie Encrinus liliiformis, so daß mit der Spiriferina-Bank die Trennlinie
zwischen dem unteren Teil (Trochitenkalk, mo 1) und dem oberen Teil
(mo 2 + mo 3) gezogen wird. Die Bank wurde von vielen Autoren beschrieben,
in jüngerer Zeit hat sie vor allem ScHÄFer (1971, 1973) untersucht.
Da Spiriferinen nicht immer in der Bank zu finden sind und im Gelände das
letzte Trochitenvorkommen meist leichter zu erkennen ist, bedient man sich
gerne dieses letzteren Merkmals. Deutliche Trochitenführung kann jedoch
auch ausbleiben.
Die genaue Lage der Spiriferina-Bank im westlichen Hohenlohekreis war bisher
unsicher, denn ein überzeugender Nachweis der Bank anhand ihres Leitfossils
fehlte. Lediglich ScHAFer (1971) erwähnt sehr seltene winzige Schalenbruchstücke
von Spiriferinen aus SKUPINs Aufsammlungen. So orientierte man
sich am letztmaligen Trochitenvorkommen. In den veröffentlichten Profilen
wird die Spiriferina-Bank für das Untersuchungsgebiet als trochitenführende
Schalentrümmerbank angegeben (SCHÄFER 1971; SKUPIN 1969; VOLLRATH 1957).
Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung widersprechen diesen Aussagen.
Zufallsfunde aus einem Prallhang der Ohrn nahe Unterohrn zeigten gerade
das Gegenteil. Schillkalkplatten hatten auf ihrer Dachfläche gut erhaltene
Spiriferinen, aber in keinem Fall waren Trochiten zu finden. Eine gezielte
Suche brachte den gleichen Befund für Ohrnberg und Neufels, Im Schalenpflaster
der Dachfläche einer ca. 10 cm starken Bank fanden sich gut erhaltene Spiriferinen
mit einer Häufigkeit von ca. 10-20 Stück pro m?. Trochiten sind dagegen
äußerst selten, so daß die Bank nicht daran erkannt werden kann. Sie
besteht aus wechselhaftem Anteil von Schalentrümmerkalk und Blaukalk.
Abb. 1: Punctospirella fragilis v. SCHLOTHEIM.
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 145 (1990)