Zur Ceratiten-Stratigraphie im Oberen Muschelkalk
(Mitteltrias) Nordwürttemberegs
Yon Max UruıicHs, Stuttgart, und RuDoLr MunDLOS 7
Mit 2 Abbildungen und 3 Tafeln
Zusammenfassung
Die stratigraphische Verbreitung der Ceratiten im mittleren Teil des Oberen Muschelkalks
wird mit Hilfe umfangreicher, horizontierter Aufsammlungen bei Neudenau,
Bad Rappenau und Gundelsheim dargestellt. Die Grenzen der Ceratiten-Zonen ließen
sich zum Teil genau festlegen; in diesen Fällen liegen sie an der Basis eines
shallowing-upward-Zyklus. Die Phylogenie von Ceratites (Acanthoceratites) spinosus
wird anhand der stratigraphischen Abfolge der Unterarten dargestellt.
Summary
The stratigraphic range of Ceratites species in the middle part of the Upper Muschelkalk
is shown with samples collected bed by bed near Neudenau, Bad Rappenau and
Gundelsheim (Northern Wurttemberg). Partly the boundaries of the Zones could be
fixed exactly; in these cases they are at the base of a shallowing-upward-cycle. Based on
the stratigraphic range of its subspecies, the phylogeny of Ceratites (Acanthoceratites) spinosus
is described.
Einleitung
Die frühen Ceratiten-Forscher Pr1PPı (1901), RIEDEL (1916) und STOLLEY
(1916) erkannten bei der Beschreibung und Einordnung der Formen bereits
Entwicklungstendenzen, die sich für eine Zonengliederung eigneten. Erstmals
denannte STETTNER (1911) einige Ceratiten-Zonen, ohne daß aus seiner Arbeit
zu entnehmen ist, was er unter dem Zonenbegriff versteht, da er in der gleichen
Arbeit hierfür auch die Begriffe Horizont und Schichten verwendete. Die
erste Zonengliederung für den gesamten Oberen Muschelkalk schlug RırzpeL
(1916) vor, der für jede Zone eine charakteristische Faunengesellschaft nachwies.
Trotzdem wurde die Bedeutung der Ceratiten für die Stratigraphie im
Muschelkalk Baden-Württembergs lange Zeit verneint. Das geht auf den Einfluß
von WAGNER (1913: 448) zurück, der sich folgendermaßen äußerte: „Die
Ceratiten sind keine strengen Leitfossilien; sie sind absolut unpraktisch...
Man darf Einzelfunde nicht mehr als ausschlaggebend betrachten.“ Diese Meinung
wurde bis in die jüngste Zeit vertreten (z.B. SEuFERT und SCHWEIZER
1985, RöuH_L 1990).
ı'h. Ges. Naturkde. Württ. 145 (1990)