C_ Jh. Ges. Naturkde. Württemberg L_ 151. Jahrgang _J Stuttgart, 15. Dezember 1995
Die seltenen Pflanzen des Böblinger Panzerplatzes unter
besonderer Berücksichtigung der
Zwergbinsengesellschaften
HELMUT BAUMANN, Böblingen und WOLFRAM WAHRENBURG,
Breitenstein
Mit
i1 Abbildungen und 4 Tabellen
Zusammenfassung
Der Böblinger Panzerplatz stellt in der Region Mittlerer Neckar ein überregional
bedeutendes Refugium für bedrohte Pflanzen- und Tierarten dar. Nach dem Ende
des 2. Weltkrieges konnten allein 28 gefährdete, 35 schonungsbedürftige und 7 regional
seltene Farn- und Blütenpflanzen nachgewiesen werden, von denen nur 6 erloschen
sind. Die Besiedlung der Rodungsflächen des ehemals geschlossenen Waldgebietes
erfolgte in der nur kurzen Zeitspanne von 15 Jahren, wobei neben weit
verbreiteten Arten sich bereits viele Seltenheiten nachweisen lassen. Eine Analyse
zeigt, daß es sich praktisch vollständig um das historisch bekannte Arteninventar
des umgebenden Glemswaldes handelt. Besondere botanische Kostbarkeiten stellen
die charakteristischen Vertreter der Zwergbinsengesellschaften dar, deren Abbildungsgeschichte
anhand von 8 typischen Beispielen herausgearbeitet wird. Für die
Zwergpflanzen Kleinling (Centunculus minimus L.), Schlammling (Limosella aquatica
L.), Eisimse (Eleocharis ovata (ROEM. et SCHULT.) und Kronloses Mastkraut
(Sagina micropetala RAUSCHERT) wird die für das Gebiet typische Vergesellschaftung
in Pioniergesellschaften aus dem Verband der Zwergbinsengesellschaften (Nanocyperion)
und einer Trittpflanzen-Gesellschaft (Verband Polygonion avicularis) dokumentiert.
Die Vergesellschaftung von Centunculus minimus L. in einer Zentralsassoziation
des Nanocyperion wird diskutiert und durch Aufnahmen mit Radiola linoides
RotTH und Centunculus minimus L. aus den Vogesen und Franken ergänzt.
Einleitung
Der Böblinger Panzerplatz stellt in der Region Mittlerer Neckar ein
wichtiges Refugium für viele seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten
dar. Eine aktuelle Zusammenstellung findet sich bei BAUMANN u. WAHREN-BURG
in ADE et al. (1990: 48-50) und GasTeEL et al. (1994). Floristische
Angaben über den Panzerplatz vor der Jahrhundertwende fehlen in der Literatur.
In den Regionalfloren von KERNER (1786), SCHMIDLIN (1832),
SCHÜBLER u. MARTENS (1834) und KIRCHNER (1888) wird das Gebiet nicht
erwähnt. Dies hängt offensichtlich damit zusammen, daß es sich in diesem
Zeitraum um ein geschlossenes Waldgebiet handelte, das keine oder höchstens
nur wenige botanische Besonderheiten aufwies. Ca. 15 Jahre nach der
Jh. Ges. Naturkde. Württ. 151 (1995)