' Jh. Ges. Naturkde. Württemberg | 152. Jahrgang | Stuttgart, 15. Dezember 1996 I
Die ehemalige Brutverbreitung des Weißstorches (Ciconia
ciconia) im Landkreis Ludwigsburg
Von CHRISTOPH RANDLER, Bietigheim-Bissingen
Mit 6 Abbildungen und 2 Tabellen
1. Einleitung
Der Brutbestand des Weißstorches hat in Baden-Württemberg drastisch
abgenommen. Für das frühe 19. Jahrhundert darf ein Brutbestand von
etwa 500 Paaren angenommen werden. 1948 brüteten noch 252 Paare in
diesem Bundesland, 1957 waren es noch 152. Ab 1960 ging die Zahl der
Brutpaare pro Jahr um ca. 13 % zurück. Im Jahre 1975 war der Tiefstand
mit 15 Paaren erreicht (HÖLZINGER 1986 a, 1987).
Im Landkreis Ludwigsburg kann der Weißstorch als Brutvogel seit den
1960er Jahren als ausgestorben bezeichnet werden. Er tritt zwar regelmäßig
zu den Zugzeiten auf (s. Abb. 1), Bruten oder Brutversuche fanden jedoch
seitdem keine statt. N
ERTEL (1968) stellte in einem Überblick die ehemalige Brutverbreitung
des Weißstorches in Württemberg dar und belegte im Gebiet des heutigen
Landkreis Ludwigsburg 25 ehemalige Brutstätten. HÖLZINGER (1986) ergänzte
in seiner Arbeit die Angaben ERTELs um zwei neue Brutstätten (Oßweil
und Schwieberdingen), zusätzlich gab er zu 17 bereits bekannten Brutorten
weitere Informationen.
Die vorliegende Arbeit will (vergleichbar mit BoscH 1994 für den Landkreis
Heilbronn) versuchen, möglichst vollständig die ehemaligen Brutvorkommen
des Weißstorches im Landkreis Ludwigsburg zu rekonstruieren.
Auch Negativnachweise werden kenntlich gemacht. Hier soll zum ersten
Mal der Versuch unternommen werden, die säkulare Dynamik über die
Jahrhunderte hinweg darzustellen.
2. Kurze Charakterisierung des Untersuchungsgebietes
Der Landkreis Ludwigsburg stellt einen Ausschnitt aus dem südwestdeutschen
Schichtstufenland dar und ist Teil des Verdichtungsraumes
„Mittlerer Neckar“. Mit 476 500 Einwohnern auf 687 km? Fläche (Stand
30.6.1992) zählt der Landkreis zu den am dichtesten besiedelten Regionen
Baden-Württembergs. 21% der Fläche sind Siedlungen, 60% sind als landwirtschaftliche
Nutzfläche ausgewiesen, der Waldanteil nimmt 18 % der
Kreisfläche ein.
Ih. Ges. Naturkde. Württ. 152 (1996)